Bekanntlich hat die Bundesregierung beschlossen, Afghanistan zum „sicheren“ Land zu erklären, in das Flüchtlinge bedenkenlos wieder abgeschoben werden können.


 


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Betreff: Programmbeschwerde: Schweigen über Afghanistan
Datum: 16.Februar 2017 um 11:26:43 MESZ
An: "NDR RR VWR" gremienbuero@ndr.de, l.marmor@ndr.de

Programmbeschwerde: Schweigen über Afghanistan u.a.

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte NDR-Rundfunkräte

lassen wir die inhumanen Motive des Merkel-Kabinetts und dessen widerwärtige, verlogene Akzeptanzstrategien für den unmenschlichen Umgang mit Flüchtlingen hier außer Betracht und wenden uns nur einer besonderen Wirkung dieses Kabinettsstückchens zu, weil das in Ihre unmittelbare Zuständigkeit fällt: Seither übt sich ARD-aktuell nämlich im regierungsfrommen Verschweigen wesentlicher Nachrichten, die ein gänzlich anderes Bild von der Lage in Afghanistan zeichnen, als es die Regierung mit ihren fake news in der Öffentlichkeit herzustellen versucht.

Am 6. Februar veröffentlichte die Hilfemission der Vereinten Nationen für Afghanistan, UNAMA, einen dringenden Appell an alle Konfliktparteien, sofort den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten, denn im zurückliegenden Jahr 2016 habe die Zahl ziviler Opfer des Krieges ein absolutes Rekordhoch erreicht. Quellen u.a.:

Beispiel konkret: Bei Bombardements der NATO wurden Anfang Februar allein in der Provinz Helmand 18 Zivilisten umgebracht. Quelle:

In den ARD-aktuell-Sendungen ("Tagesschau", "Tagesthemen", "Tagesschau.de" usw.) wurde also gegen die im Programmauftrag vorgeschriebene Pflicht zur „umfassenden“ Berichterstattung verstoßen, weil sie über diese Vorgänge kein Wort verlauten ließen.

(§5 NDR Staatsvertrag: „Der NDR hat den Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.“)

Das Verschweigen von Informationen ist nur eine andere Form der Lüge, jedenfalls aber ein Mittel der Manipulation. Die manipulative Nachrichtenunterdrückung – und folglich absichtliche Nicht-Erfüllung des Programmauftrags – geht noch weiter. Die US-Zeitung Military Times hatte zeitgleich zu dem UNAMA-Appell enthüllt, dass das Pentagon gefälschte Zahlen über seine Luftangriffe veröffentlicht und abertausende von Bombardements verschwieg, nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Syrien, Irak, Jemen und weiteren Kriegsgebieten. Die Meldung war sofort von der Nachrichtenagentur Reuters aufgegriffen worden. Quellen:

Die Informationen haben der ARD-aktuell-Redaktion vorgelegen, wurden von ihr aber in keinem der verfügbaren Nachrichtenformate weitergegeben. Das kann man als gelebtes transatlantisches Lakaientum einer Redaktion interpretieren, deren Aufgabe es doch wäre, ihrem Publikum mittels umfassender Information die Bildung eine rationalen Meinung übers Weltgeschehen zu ermöglichen.

Sehr geehrte Rundfunkräte, auch für eine Beschwerde gegen die hier aufgeführten erheblichen Verstöße gegen den gesetzlichen Programmauftrag – Nachrichtenunterschlagung – sind Sie formal zuständig. Da Sie mittlerweile nahezu täglich Beschwerden über die fehlerhafte Arbeitsweise der begnadeten ARD-aktuell erhalten, sind Sie offenbar bemüht, sich alle Arbeit damit vom Hals zu halten und sie einfach der Chefredaktion zur Beantwortung weiter zuschieben. Wir bewundern Ihren argumentativen Einfallsreichtum, mit dem Sie verschleiern, dass Sie selbst zu gründlicher eigenständiger Prüfarbeit jeder einzelnen Eingabe zu faul sind. Mit Chefredakteur Dr. Gniffke, dem Verantwortlichen für das journalistische Versagen, machen Sie lieber den Bock zum Gärtner: Soll er doch schauen, wie er die Beschwerdeführer ab-wimmelt. Wir erwarten also von ihm, wie in mehr als 150 vorausgegangenen vergleichbaren Fällen bereits gegeben, eine seiner faulen Ausreden und rechthaberischen Dementis. Denn Dr. Gniffke ist ein ehrenwerter Journalist.

Wie beeilen uns, hinzuzufügen: Und Sie sind ehrenwerte Rundfunkräte.

Mit freundlichen Grüßen
»Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

  • Grafik: mit freundlicher Genehmigung © www.egonkramer.de

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