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Eine sehr lehrreiche Sendung gelang Anne Will am 28.01.18, vor allem durch die ehrenvolle Beteiligung einer außergewöhnlichen, intelligenten Überlebenden der Nazi-Massenvernichtung in Auschwitz, Frau Esther Bejarano, Musikerin und DKP-Mitglied. Letzteres allerdings wurde von Anne Will, trotz großer Sensibilität bei ihrer meisterhaften Moderation der Sendung, verschwiegen.

 


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Große Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht antisemitisch
von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Die völlig begründete Sorge über das weitere Wirken des Antisemitismus in Europa richtet allerdings den Blick auf eine Minderheit hierzulande, die immer noch aufgrund fehlender Gesinnungsbildung und -bewusstsein in unsinnige Hass-Tiraden und -Aktionen verfällt, während die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht antisemitisch, nicht Hass orientiert ausgerichtet ist. Diese Wirklichkeit, die der Wahrheit und Fairness halber klarzustellen ist, umfasst vor allem die deutsche Jugend, wie Frau Bejarano selbst am Ende der Sendung optimistisch hervorhob.

Heutige Probleme: Rassismus und Ausländerfeindlichkeit
Rassismus und Ausländerfeindlichkeit stellen die heutigen Probleme in der deutschen Gesellschaft dar, die von Rechtsparteien angezettelt sind. 90% der Übergriffe auf Juden kommen von Rechtsextremen, nicht von Muslimen. Diese offiziell festgestellte Tatsache signalisiert, wo das Problem liegt. Es geht darum, sich gegen das Rechtslager zu stellen, wie Frau Bejarano bei „Anne Will“ (28.01.18) zu Recht mahnte.

Aktueller Hintergrund des zunehmenden Antisemitismus nicht zu übersehen
Allerdings sollte sich eine Sendung über den zunehmenden Antisemitismus nach dem aktuellen politischen Hintergrund fragen, nämlich den Staatsterror, den der israelische Premier Netanjahu im Namen des „jüdischen“ Staates unbehelligt in Palästina fortführt und das Völkerrecht sowie die Menschenrechte mit Füßen tritt. Diese aktuelle politische Realität ist weder zu übersehen noch zu ignorieren bei einer seriösen und gründlichen Debatte über Antisemitismus. Der jüngste Artikel von Evelyn Hecht-Galinski (28.01.18) trifft diesbezüglich den Nagel auf den Kopf. Hier einige Auszüge:

Friedliche und mehr als verständliche Proteste palästinensischer Demonstranten in Deutschland werden verunglimpft [...] Unerträglich, wie auf die Art der Islamhass in Deutschland geschürt wird [...] Mit Kriegspropaganda kennen sich jüdische Organisationen seit Jahren gut aus […] Während der israelische Ministerpräsident Netanjahu als Bollwerk gegen den „islamischen Terror“ als Star der „christlich-jüdischen Wertegemeinschaft“ gefeiert, Israel immer mehr in die EU eingebunden und für Völkerrechtsverbrechen mit Assoziierungsabkommen belohnt wird, versucht man die Türkei seit Jahrzehnten von der EU Mitgliedschaft fernzuhalten. [...] Denken wir nur an Israel, wo man afrikanische Migranten mit Abschiebung oder Gefängnis droht. Während Israel allen jüdischen Einwanderer im illegal besetzten Palästina ein Heim bietet, wird den Palästinensern dieses legale Rückkehrrecht verweigert – und die Staatengemeinschaft schweigt zu diesem Unrecht [...] Natürlich sollten wir uns fragen, wie es mit unseren „demokratischen Werten“ zu vereinbaren ist, Peschmerga, Extremisten, jüdische Besatzer sowie mehr als fragwürdige Staaten wie Saudi-Arabien, Israel, und Ägypten aufzurüsten [...] Deutsche Panzer und Waffen werden schon seit langem in fragwürdigen und verabscheuungswürdigen Einsätzen genutzt. Denken wir nur an den „Jüdischen Besatzungsstaat“, dem wir reichlich mit Steuergeldern finanzierte Rüstungsgüter schenken. Die deutsche Staatsräson wird hier missbraucht, um eigenes Versagen zu vertuschen. Gerade als deutsche Bürgerin mit jüdischen Wurzeln wehre ich mich gegen den Philosemitismus, die übersteigerte „Judenliebe“, die den Antisemitismus in Deutschland abgelöst hat. Meine große Angst besteht darin, dass wir demnächst nicht nur den Islamhass, sondern auch die Treibjagd auf Israel-Kritiker erleben werden. Gerade Deutschland, das immer wieder von seiner „besonderen Verantwortung“ aufgrund der Vergangenheit spricht, wird dieser nicht gerecht, sondern macht sich erneut schuldig ein Terror-Regime zu unterstützen – nur 73 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz.

Vergessen wir nicht: Es waren keine Muslime die Juden ausrotteten – es waren deutsche Christen

Vergessen wir nicht: Es waren keine Muslime die Juden ausrotteten – es waren deutsche Christen, die diese Schandtaten begingen. Wenn sich also heute in Israel Faschismus, Rassismus und Apartheid ausbreiten, dann müssen wir uns dagegen entschieden wehren. […] Nicht das Schüren von anti-muslimischen Ressentiments wird letztendlich die Lösung sein, sondern ein fruchtbares Miteinander der Religionen. Der Islam hat eine lange Tradition vorzuweisen und darf nicht mit Hass übersät werden. [...] Wenn sich die Türkei immer mehr vom Westen entfernt, dann sollte der Westen das als Mahnung verstehen. Russland, die Türkei und Iran sollten unsere Verbündeten werden und nicht solche Rassisten wie der US-Präsident Trump und der israelische Ministerpräsident Netanjahu. [...] („»Ein neues Verständnis für unsere „gemeinsamen“ Werte“ von Evelyn Hecht-Galinski, 28.1.2018, Subtitel d.A.)

Eine Überlebende von Auschwitz, Frau Anita Lasker-Wollfisch, hat am Gedenktag im Bundestag am 31.1.2018 die würdige menschliche Haltung in Deutschland gegenüber Flüchtlingen hervorgehoben:

Die Deutschen haben Mut und Menschlichkeit bewiesen, als sie ihre Grenzen für Flüchtlinge 2015 öffneten.

Der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble betonte auch in seiner Rede an diesem Tag (31.1.2018) die nicht-antisemitische Einstellung bei der großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung.

Sich gegen dumme antisemitische Handlungen von Schülern richtig positionieren
Gezielte Ausbildung und Aufklärungsarbeit sind bei Lehrern und Schulleitern erforderlich, die nicht wissen oder es unterlassen, sich gegen dumme antisemitische Handlungen von Schülern richtig zu positionieren, erst recht, wenn Kinder streitsüchtig untereinander sind.

Perverse Seite der deutschen Geschichte überzeugt und überzeugend verabscheuen
Selbstverständlich müssen Schüler nicht verpflichtet werden, ein KZ zu besuchen. Vielmehr muss achtsam und umfassend gründlich die persönliche ethisch-menschliche Bildung erfolgen, um die perverse Seite der deutschen Geschichte überzeugt und überzeugend zu verabscheuen. Der aktuelle Trend, die Geschichte des Dritten Reichs zu verdrehen oder durch gezielte Desinformation zu verkehren, wie z.B. der perfide Überfall auf die Sowjetunion und der grausame Niedergang in Stalingrad, ist ein falscher Ausweg. So entsteht keine Lehre, keine Korrektur aus der schlimmen Vergangenheit. Dadurch wird die faschistische Vergangenheit eher verschont, verdrängt oder geleugnet.

Heute wichtiger: Sendung gegen hässliche Anti-Russland-Propaganda und für gemeinsame europäische Sicherheit
Deshalb ist von viel wichtigerer aktueller Tragweite, über die hässliche Propaganda, die heute gegen Russland en vogue ist, eine Sendung zu machen. Niemals gab es ein historisches Bewusstsein über die 27 Millionen oder mehr Opfer, die der Nazi-Überfall auf die Sowjetunion verursachte. Heute geht es weiter um Aggressivität und Feindseligkeit gegenüber Russland. Woher kommt das? Ein Thema für eine gründliche Debatte, da diese anti-russischen Ressentiments und Feidseligkeiten den Frieden in Europa gefährden und eine gemeinsame europäische Sicherheit verhindern. Laufen die Dinge mit Anti-Russlandhetze und NATO-Übungen an Russlands Grenze so weiter, bricht erneut eine bedrohliche Zeit an.

Nicht von Defiziten und Problemen Europas ablenken
Deutsche Medien lenken von Defiziten und Problemen Europas ab, von dieser neuen bedrohlichen Zeit, wenn sie die Aufmerksamkeit unverhältnismäßig und verantwortungslos auf den US-Präsident Trump fokussieren, als ob er zuständig für die Politik und Zukunft Europas wäre. Wie tief EU-Europa mit seinem Medienpersonal gesunken ist, war exemplarisch in der Phoenix-Sendung „Der Polarisierer im Weißen Haus. Ein Jahr Donald Trump“ - Internationaler Frühschoppen am Sonntag 28.01.18 - zu besichtigen. Der dort anwesende russische Journalist von RTdeutsch (Russia Today) stellte den fehlenden Bezug zu Tatsachen bei vorgebrachten Äußerungen fest. Für aufmerksame Zuschauer wurde klar, dass es sich bei dieser Sendung größtenteils um Propaganda handelte, eine Sendung, die rein gar nichts zum Verständnis der internationalen Beziehungen beizutragen wusste, außer erneut zu zeigen, dass es unter westlichen, europäischen Journalisten jede Menge an Arroganz und Vorliebe für Banalitäten gibt. Sind deutsche Journalisten gewohnheitsmäßige Lügner und Propagandisten geworden?

Brandgefährliche Ungeister auf Münchner Sicherheitskonferenz
Besorgniserregend ist, dass ausgerechnet ein voreingenommener Kalte-Krieger-Diplomat a.D. die Münchner Sicherheitskonferenz (16.-18.2.18) erneut organisiert. Rätselhaft, was diese Figur einer üblen Vergangenheit und seine Gäste wie Israels Premier Netanjahu und eine CDU-Kriegsministerin Ursula von der Leyen zur „Sicherheit“ Europas beitragen sollen. Ein neues, stabiles Europa braucht keine dieser brandgefährlichen Ungeister. Führende deutsche Medien sollten sich darüber im Klaren werden, um die Vergangenheit mit ihrer Vernichtungsmentalität und militärischen Pose der Verbreitung von Angst und Schrecken nicht durch gefährliche Illusionisten am Leben zu erhalten, jene Ewiggestrigen, die an dieser Vernichtungsmentalität in Deutschland und Europa festhalten wollen, wie ein erbärmlicher ausgedienter General a.D. Klaus Naumann es tut. Ihm überlässt die SZ Raum für seine ruinöse Ansicht von Konfrontation mit Russland (SZ-Außenansicht 29.1.). Dass diese völlig unbegründete anti-russische Sicht in der hoch angesehenen, überregionalen, auflagenstärksten deutschen Tageszeitung verbreitet wird, zeigt, dass das gefährliche geistige Defizit aus der Nazi-Zeit immer noch in Führungskreisen präsent ist. Auch die deutschen Nazi-Faschisten wollten mittels Gewalt, Drohung und Angst eine friedliche Welt gründen.

© Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Quellenangaben:

© Grafik: Sven Teschke / Lizenz: »Creative Commons CC-by-sa-3.0 de

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Foto: Tlaxcala*Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait ist eine chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Studium der Rechtswissenschaften an der Katholischen Universität in Santiago de Chile mit Spezialisierung auf das Völkerrecht und Praxis im Strafrecht. Nach ihrer Arbeit im Außenministerium war sie Diplomatin in Washington D.C., Wien und Jerusalem und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen.

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