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Wir Deutschen verstehen vieles nicht in diesem Europa. Wir verstehen zum Beispiel nicht, warum die Katalanen jetzt unbedingt einen eigenen Staat haben möchten. Denn "Kleinstaaterei" führt doch nur "zurück" in dieses gruselige 19.. Jahrhundert, das wir mit unserer EU doch schon so schön überwunden haben.

 


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von Andreas Grünwald

Noch weniger verstehen wir es freilich, dass wenn wir es diesen dummen Leuten in unseren spanischen Urlaubsgebieten dann so auch sagen, sie das gar nicht schreckt, sondern sie es eher noch als Aufforderung nehmen, ihr unvernünftiges, nationalistisches und ewig gestriges Handwerk einfach fortzusetzen.

Verstehen können wir auch nicht, warum zum Beispiel A L L E Volksabstimmungen, die je zur Frage des Verbleibs in dieser unserer Europäischen Union stattfanden, immer nur damit endeten, dass die große Masse einfach nur raus wollte. Kann man doch abschaffen, diese blöden Volksabstimmungen. Haben wir doch auch nicht!..

Verständnislos, ja richtig geschockt, waren wir Deutschen auch, als vor einigen Jahren diese frechen und uncoolen Isländer unsere nette Einladung zum Mitmachen einfach ausschlugen. Ein undankbares Volk! Sie haben offenbar total vergessen, mit wie vielen, schönen Kreditpapieren wir ihr Land zuvor voll-stopften. Unser Blick richtete sich daher dann gen Süden: Die Griechen, die hatten wir schnell in der Tasche. Aber genauso so gut läuft es inzwischen auch mit den Italienern. Klar die wollen zwar auch alle raus, aber sie können es eben nicht! Denn dann müssten sie erst mal bei der EZB 700 bis 800 Milliarden Euro abzahlen. So hoch sind nämlich inzwischen deren Handelsbilanz-Schulden bei uns. Nur diese doofen Briten, die tanzen einem immer wieder auf der Nase herum.

Wir Deutschen sind verständnislos über so viel Undankbarkeit und Unehrlichkeit auf diesem Planeten und auf unserem schönen Kontinent. Ja wir sind inzwischen so geschockt und so verständnislos, dass wir uns nicht mal mehr selbst verstehen. Also weder diese ollen Sachsen (wobei: das sind ja eben auch nur Sachsen ...), aber noch viel weniger auch uns selbst. Man stelle sich etwa vor: Noch in den 1980er bis in die 1990er Jahren, waren viele von uns in Organisationen und Parteien aktiv, wo die Forderung nach Dezentralisierung und Regionalisierung gesellschaftlicher und politischer Strukturen strategischer Kernpunkt eigener politischer Orientierungen war. Fürchterliche Barbaren waren wir damals: Noch vollkommen uncool und kein bisschen Weltbürger. Ist ja aber auch kein Wunder: gab damals ja auch das Internet noch nicht so richtig...

Viel Verständnis hatten wir Deutschen indes, als es seinerzeit dann darum ging »die "Jugos" von der Landkarte zu putzten. Klar, das war natürlich auch Kleinstaaterei. Aber das geschah ja erstens aus humanitären Gründen, und zweitens war das dann ja auch unser! Man denke nur an Bosnien, die ja nicht mal richtiges Geld hatten, so dass wir dann die D-Mark dort als Zahlungsmittel einführen mussten. Und inzwischen? Inzwischen sind aus diesen anatolischen Bergen richtig hübsche Urlaubsgebiete geworden. Da kann man nicht nur schön baden, sondern gleichzeitig auch noch das Klima retten! Und außerdem gibt es da jede Menge fleißiger Putzkräfte, die inzwischen sogar meist auch ein wenig deutsch sprechen können...

Ist doch wirklich nicht zu fassen, dass es in diesem unseren schönen und weltoffenen Europa, also immer wieder Leute gibt, die uns all das Schöne, was wir uns fleißig aufgebaut haben, immer wieder nur kaputt machen möchten.

© Andreas Grünwald

Quellenangaben:

  • © Grafik: mit freundlicher Genehmigung Klaus Stuttmann / Berlin

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