aktuelle News Ich bitte um Feststellung, dass der Lielischkies-Beitrag gegen die staatsvertraglichen Anforderungen verstieß und um entsprechende Veranlassung zum Ausschluss von Wiederholungsfällen. Nachdrücklich ersuche ich darum, diese Beschwerde als gegen eine in der Verantwortung des NDR liegende Fehlleistung zu betrachten, unabhängig davon, dass der Korrespondent Lielischkies bei einem anderen ARD-Sender angestellt ist.

 


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Volker Bräutigam
Adlerweg 1

23879 Mölln, 22.11. 2014
Frau Ute Schildt,
Vorsitzende des NDR-Rundfunkrats

Hamburg
Rothenbaumchaussee 131
(p. E-Mail  [email protected])

Herrn
Intendant Lutz Marmor

(p. E-Mail  [email protected])
Beschwerde über verfälschende/irreführende Ukraine-Berichterstattung
Hier: Tagesschau 21.11. 14, 20 Uhr, Beitrag v. Udo Lielischkies (ab Sendemin. 02’46’’)
http://www.tagesschau.de/archiv/sendungsarchiv100~_date-20141121.html)

Sehr geehrte Frau Schildt, sehr geehrter Herr Marmor
,
erneut besteht Grund zur Beschwerde über einen Tagesschau-Bericht. Der längst (mit journalistisch unsauberen Arbeiten) verhaltensauffällige Korrespondent Lielischkies sagte im Anschluss an die Studio-Moderation
In Kiew wurde heute der Toten der Maidan-Proteste gedacht
den folgenden zweckgefärbten, verfälschenden und irreführenden Text auf:
(...) Präsident Poroschenko ehrte die, denen er letztlich seinen Aufstieg zur Macht verdankt: Die über einhundert erschossenen Demonstranten, deren Tod im Februar zum Ende der Janukowitsch-Herrschaft führte. Nachdem die Demonstranten am 20. Februar auch mit scharfen Waffen das Regierungsviertel zu stürmen versuchten, schossen Spezialeinheiten gezielt auf sie. Am Tag danach floh Janukowitsch aus Kiew. Die Angehörigen der Erschossenen kritisieren heute Poroschenko. (...).
Fälschung ist und Irreführung beabsichtigt die hier hervorgehobene Textpassage. Ihre Aussage steht in deutlichem Kontrast zu den historischen Fakten: Der immerhin demokratisch gewählte Präsident Janukowitsch musste fliehen vor einer mörderischen Meute, die möglicherweise „ferngesteuert“ war. Cui bono? Wem nutzte der Putsch? Mit Janukowitschs Sturz kam auch das Vertragswerk zu Fall, das gerade zuvor zur Befriedung des Ukraine-Aufstands geschlossen worden war. Unterzeichner neben Janukowitsch: Bundesaußenminister Steinmeier, der polnische Außenminister Sikorski, ein Vertreter von Frankreichs Außenminister Fabius, ein Vertreter des russischen Außenministers Lawrow sowie die ukrainischen Oppositionellen Klitschko, Jazenjuk und Tjahnybok. Dieser Vertrag missfiel den auf Umsturz und Bürgerkrieg in der Ukraine bedachten USA (s. a. Victoria Nuland: „Fuck the EU“).

Lielischkies Sätze ignorieren diesen Hintergrund und insinuieren stattdessen, das Massaker sei von Regierungstruppen (nur die haben „Spezialeinheiten“) und unter Verantwortung Janukowitschs begangen worden. Die wahren Schuldigen dieses Verbrechens sind jedoch bis heute nicht ermittelt. Die Vermutung ist nicht aus der Welt, dass die USA dahinter stecken. Die neuen Machthaber in Kiew haben bis heute keine an internationalen Standards orientierte und unabhängige Untersuchung eingeleitet. Sie werden ihre Gründe für diesen Verzicht auf rechtsstaatliches Handeln haben. Lielischkies formuliert ungeachtet all dessen eine Schuldzuweisung mit politischer Konnotation zugunsten der neuen Machthaber und konform mit „prowestlicher“ Sichtweise. Er ignoriert Informationen und Filmmaterial, wonach nicht identifizierte Scharfschützen, möglicherweise aus den USA eingeschleuste Söldner, das Massaker provoziert bzw. selbst mit angerichtet haben. Dass eine Blackwater-Truppe von rd. 300 Mann zur fraglichen Zeit in der Ukraine operierte, ist bekannt.








Lielischkies´ fälschender Schlenker reiht sich ein in die lange Reihe tendenziöser und der herrschenden „westlichen“ Lehre angepasster Fehlleistungen von ARD-aktuell.  Es verletzt die Vorgaben des NDR-Staatsvertrages. Die einschlägigen Bestimmungen dürften Ihnen geläufig sein. Ich zitiere sie hier der Ordnung halber dennoch, auszugsweise:
§ 5 Programmauftrag

  • (1) Der NDR hat den Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen einen objektiven und umfassenden Überblick über das (...) Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sein Programm hat der Information (...)zu dienen.
    •  
§ 7 Programmgrundsätze

  • (2) Der NDR  (...) soll dazu beitragen, die  Achtung vor (...) Meinung anderer zu stärken (...). Das Programm des NDR soll (...) die internationale Verständigung fördern, für die Friedenssicherung (...) eintreten (...)
  •  
 § 8 Programmgestaltung

  • (1) Der NDR ist (...) zur Wahrheit verpflichtet. (...) (...) Ziel aller Informationssendungen ist es, sachlich und umfassend zu unterrichten und damit zur selbständigen Urteilsbildung der Bürger und Bürgerinnen beizutragen.  (2) Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen (...) zu entsprechen. Sie müssen unabhängig und sachlich sein. Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung (...) auf Wahrheit (...) zu prüfen. (...)
Ich bitte um Feststellung, dass der Lielischkies-Beitrag gegen die staatsvertraglichen Anforderungen verstieß und um entsprechende Veranlassung zum Ausschluss von Wiederholungsfällen. Nachdrücklich ersuche ich darum, diese Beschwerde als gegen eine in der Verantwortung des NDR liegende Fehlleistung zu betrachten, unabhängig davon, dass der Korrespondent Lielischkies bei einem anderen ARD-Sender angestellt ist. Aus § 8 des NDR-Staatsvertrags leitet sich die uneingeschränkte Gesamtverantwortung des die ARD-aktuell-Sendung „Tagesschau“ veranstaltenden NDR ab.

Für Ihre Juristen ist das Formulieren rabulistischer Ablehnungsbescheide inzwischen ersichtlich bereits Routine. Das Abschmettern selbst von bestens begründeter Zuschauerkritik haben sie anscheinend zur Kunstform entwickelt. Ich erbitte dennoch gründliche Befassung Ihrer Gremien mit meiner Eingabe. Um schriftliche Antwort ersuche ich, damit ich meine Materialsammlung für ein „Schwarzbuch Rundfunkrat NDR“ mit weiterer rechtsverdreherischer Literatur auffüllen kann.

Mit bestem Dank
Volker Bräutigam

P.S. Es dauerte fast sieben Monate, ehe Sie meine letzten Eingabe – natürlich abschlägig – beschieden. Ich bitte um Verständnis, dass ich deshalb obige neue sofort veröffentliche, anstatt wieder erst Ihre Reaktion abzuwarten.

»Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

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