Sozialschmarotzer
Stellte der bundesrepublikanische Mainstream monatelang den sich der christlich abendländischen Kultur verweigernden Ausländer und Migranten als Sozialschmarotzer an den Pranger, so ist es Ende Januar den investigativen, ökonomischen Starjournalisten der FAZ, Rainer Hank und Georg Meck, endlich gelungen, die wahren Verursacher der finanziellen Misere der Berliner Republik dingfest zu machen.Die Alleinerziehenden sind schuld

von El Patio
Schuld an unser aller ökonomischer Untergang haben einzig und allein die Alleinerziehenden. Sie sind es, die uns alle finanziell umbringen. Sie sind die “Hätschelkinder der Nation”, klärten die Autoren im Wirtschaftsteil der FAZ, mit dem „dahinter steckenden klugen Kopf“, ihre Leser auf und enthüllten die große „Matriarchate-Alleinerziehenden-Verschwörung“
Die vom hart erarbeiteten Steuergroschen des Stundenlohns der Schlecker Verkäuferin, früher mal bis zu 12,80 €, heute in den neuen XL-Märkten 6,80 €, lebende »Wohltäterindustrie von Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgebern oder freien Unternehmen“, die sich, das soziale Sicherungssystem erbarmungslos plündernd, um das Schicksal der Alleinerziehenden kümmern, diese Wohlfahrtsindustrie, die wurde jetzt schonungslos ins mediale Rampenlicht der schwarz-gelben Republik gezerrt.
Die Erkenntnis, über die steuerliche Verantwortung der Alleinerziehenden- Sozialleistungsempfänger gegenüber der Supermarkt-Verkäuferin, die verdanken wir dem vom Staat bestens alimentierten Professor Wolfgang Franz, Arbeitsmarktexperte und derzeit Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Denn bekanntlich sind auch die über 500 Milliarden zur Bankenrettung nur mit dem Einverständnis und in der Verantwortung des Kabinetts gegenüber den Verkäuferinnen an den Discountkassen der Nation - von Lidl über Schlecker bis Aldi - geflossen. Fragen Sie mal Herrn Ackermann.
Das Übel resultiert, wie eigentlich immer im Wirtschaftsteil unserer Presse, aus dem Sozialrecht, denn erst das Sozialrecht schafft für die Alleinerziehenden die Anreize, die sie dazu verleiten in der Arbeitslosigkeit zu verharren und nicht in eine neue Partnerschaft zurückzukehren, klärt die FAZ ihre Leser auf. Nur deswegen wächst diese Gruppe auch hierzulande vier Mal so schnell wie im Schnitt der OECD-Länder und in den neuen Bundesländern, da liegt der Anteil der Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren, gemessen an allen Familienhaushalten, sogar schon bei 26 Prozent.
Mit einem neuen Partner, da würde, nach dieser Logik, dann bestimmt die sofort einsetzende dringende Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nach frisch verheirateten Frauen mit kleinen Kindern einsetzen und ein großes Angebot von üppig mit Boni und Prämien gespickten Jobs auf die Bewerberinnen im Osten warten. Aber das renitente Weib müsste sich endlich wieder an einen Gatten binden und damit die Sozialkassen entlasten, beklagt eine bigotte Gesellschaft den Verfall der Sitten zu Lasten des Steuerzahlers.


Und damit „nimmt die staatliche Unterstützung den Charakter einer Trennungsprämie an“, folgert daraus messerscharf „Deutschlands klügster Ökonom“, laut BILD, der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. So werden mal eben die Opfer unseres Wirtschaftssystems zu Täterinnen abgestempelt.
Das im Prozess der nachfordistischen Warenproduktion und Kapitalverwertung die menschliche Arbeitskraft strukturell zunehmend überflüssig wurde und weiter wird und sie dem zu folge entsprechend frei gesetzt wird, allein in Berlin fehlen im Vergleich zu anderen Metropolen etwa 500 000 Arbeitsplätze, diese simplen ökonomischen Zusammenhänge unterschlägt natürlich lieber der FAZ-Artikel. Kein Wort über den seit der Kohl-Ära laufenden permanenten, staatlichen Sozialabbau, der mit jedem neuen technischen Produktivitätsschub und mit der konsequenten Umsetzung des Taylorismus in den globalen Produktionsabläufen weiter vorangetrieben wird. Der Markt-Preis der Arbeitskraft befindet sich im freien Fall, siehe Schlecker, und damit wächst auch der Druck auf die vom Sozialsystem gewährten Reproduktionskosten für diese im Überangebot vorhandene Ware, die Arbeitskraft.
Das Heer der 1,6 Millionen Alleinerziehenden besteht dabei immer noch zu 95% aus Frauen und das davon 60% trotz der Nachwuchsaufzucht ihr eigenes Geld verdienen, das grenzt eher an ein Wunder. Die BRD ist in Sachen Kinderbetreuung ein Entwicklungsland und in vielen Kommunen kommt deshalb das finden eines Ganztagskindergartenplatzes einem Sechser im Lotto gleich. Aber die 40% der Alleinerziehenden, also die 640 Tausend Eltern, diese 0,8 % der Bevölkerung, die gezwungen sind mit Hartz IV zu überleben, ausgerechnet die sollen jetzt laut der FAZ den Staat ruinieren? Und auch daran sind natürlich wieder mal die „wilden 68er“ Schuld, denn mit den staatlichen Transferleistungen durchkommen, das können die dem männlichen Machtanspruch entflohenen Frauen nur, weil in den Sechzigern “das Scheidungsrecht entmoralisiert” wurde, wie Hank und Meck in der FAZ schreiben.
Das der Sozialstaat heute zum ersten Mal die Möglichkeit bereit hält eine nicht mehr zumutbare Partnerschaft aufzugeben ohne das damit gleich der Teil, der die Kinder erzieht, automatisch in die totale Mittellosigkeit versinkt, also eine Freiheit im Privatleben bietet, die es vor 100 Jahren so noch nicht gab, das ist zwar ein von Frauen hart erkämpfter Erfolg, aber er beseitigt damit noch lange nicht das Armutsrisiko und damit die Gefahr des sozialen Abstiegs und dieses Risiko ist nirgendwo größer als in Berlin. Die Bundeshauptstadt steht bei der Beschäftigung, bei den Einkommen und bei der Sicherheit des Arbeitsplatzes im Länderranking entsprechender Studien ganz unten. Jeder fünfte Einwohner der Stadt ist auf staatliche Unterstützung angewiesen und nur der Niedriglohnsektor verfügt hier noch über Wachstumspotentiale.
Davon, dass es immer noch Werte, Normen und ethische Überzeugungen jenseits der ökonomischen, neoliberalen Welt-Erklärungsversuche der sozialdarwinistisch inspirierten Mietjournalisten geben soll, davon haben die FAZ-Schreiberlinge bestimmt auch noch nichts gehört. Das mediale abwatschen und das ausgrenzen von benachteiligten Gruppen, zu denen sich jetzt die partnerlosen Mütter, die ohne eine Kinder-Lobby auskommen müssen, hinzu gesellen dürfen, das hat in Deutschland eine lange Tradition und die entspricht dann schon eher dem Weltbild dieser selbst ernannten Leistungsträger.
© El Patio
Das im Prozess der nachfordistischen Warenproduktion und Kapitalverwertung die menschliche Arbeitskraft strukturell zunehmend überflüssig wurde und weiter wird und sie dem zu folge entsprechend frei gesetzt wird, allein in Berlin fehlen im Vergleich zu anderen Metropolen etwa 500 000 Arbeitsplätze, diese simplen ökonomischen Zusammenhänge unterschlägt natürlich lieber der FAZ-Artikel. Kein Wort über den seit der Kohl-Ära laufenden permanenten, staatlichen Sozialabbau, der mit jedem neuen technischen Produktivitätsschub und mit der konsequenten Umsetzung des Taylorismus in den globalen Produktionsabläufen weiter vorangetrieben wird. Der Markt-Preis der Arbeitskraft befindet sich im freien Fall, siehe Schlecker, und damit wächst auch der Druck auf die vom Sozialsystem gewährten Reproduktionskosten für diese im Überangebot vorhandene Ware, die Arbeitskraft.
Das Heer der 1,6 Millionen Alleinerziehenden besteht dabei immer noch zu 95% aus Frauen und das davon 60% trotz der Nachwuchsaufzucht ihr eigenes Geld verdienen, das grenzt eher an ein Wunder. Die BRD ist in Sachen Kinderbetreuung ein Entwicklungsland und in vielen Kommunen kommt deshalb das finden eines Ganztagskindergartenplatzes einem Sechser im Lotto gleich. Aber die 40% der Alleinerziehenden, also die 640 Tausend Eltern, diese 0,8 % der Bevölkerung, die gezwungen sind mit Hartz IV zu überleben, ausgerechnet die sollen jetzt laut der FAZ den Staat ruinieren? Und auch daran sind natürlich wieder mal die „wilden 68er“ Schuld, denn mit den staatlichen Transferleistungen durchkommen, das können die dem männlichen Machtanspruch entflohenen Frauen nur, weil in den Sechzigern “das Scheidungsrecht entmoralisiert” wurde, wie Hank und Meck in der FAZ schreiben.
Das der Sozialstaat heute zum ersten Mal die Möglichkeit bereit hält eine nicht mehr zumutbare Partnerschaft aufzugeben ohne das damit gleich der Teil, der die Kinder erzieht, automatisch in die totale Mittellosigkeit versinkt, also eine Freiheit im Privatleben bietet, die es vor 100 Jahren so noch nicht gab, das ist zwar ein von Frauen hart erkämpfter Erfolg, aber er beseitigt damit noch lange nicht das Armutsrisiko und damit die Gefahr des sozialen Abstiegs und dieses Risiko ist nirgendwo größer als in Berlin. Die Bundeshauptstadt steht bei der Beschäftigung, bei den Einkommen und bei der Sicherheit des Arbeitsplatzes im Länderranking entsprechender Studien ganz unten. Jeder fünfte Einwohner der Stadt ist auf staatliche Unterstützung angewiesen und nur der Niedriglohnsektor verfügt hier noch über Wachstumspotentiale.
Davon, dass es immer noch Werte, Normen und ethische Überzeugungen jenseits der ökonomischen, neoliberalen Welt-Erklärungsversuche der sozialdarwinistisch inspirierten Mietjournalisten geben soll, davon haben die FAZ-Schreiberlinge bestimmt auch noch nichts gehört. Das mediale abwatschen und das ausgrenzen von benachteiligten Gruppen, zu denen sich jetzt die partnerlosen Mütter, die ohne eine Kinder-Lobby auskommen müssen, hinzu gesellen dürfen, das hat in Deutschland eine lange Tradition und die entspricht dann schon eher dem Weltbild dieser selbst ernannten Leistungsträger.
© El Patio









