Wie der westliche Propagandaapparat seine Wut herauslässt

aktuelle News Wochenlang haben so manche westliche Journalisten - wohl meist selbst verblendet - ihre Zuhörerschaft und Leserschaft nach Strich und Faden über die Stimmungen und Verhältnisse im Iran belogen. Und anstatt jetzt zuzugeben, dass sie sich getäuscht haben, lügen sie einfach weiter.



von Dr. Yavuz Özoguz

Foto: wikipedia
Nach dem Wahldebakel der Westlichen Welt bei den iranischen Parlamentswahlen, outet sich der Herausforderer Mousawi zunehmend als westliche Marionette, der sein grausames Spiel offenbar zu Ende spielen muss. Haben westliche Journalisten Wochenlang den Eindruck erweckt, dass eine weniger religiös und mehr westlich orientierte Stimmung im Iran herrsche, so wurden sie vom iranischen Volk nunmehr geohrfeigt. Anstatt nunmehr zuzugeben, dass man wochenlang gelogen oder zumindest sich getäuscht hat, lügt man einfach weiter und konstruiert jetzt Zweifel am Wahlergebnis. Die Rolle Mousawis dabei wird sicherlich eines Tages gerichtlich zu klären sein, denn der Schaden, der er seinem eigenen Land zugefügt hat, ist nicht unbeträchtlich.

Da wird behauptet, dass es "Unregelmäßigkeiten" bei der Auszählung gegeben hätte, ohne auch nur einen einzigen handfesten Beweis zu haben. Dazu muss man wissen, dass im Iran die Auszählung stets vor einer großen Menschengruppe erfolgt und jeder angemeldete Zuschauer auch zusehen darf. Jedes Ergebnis eines jeden einzelnen Wahllokals wird veröffentlicht. Und so gab es z.B. in Teheran tatsächlich einige Wahlkreise im Norden, in denen Mousawi gewonnen hat; bei den Reichen und Hübschen.

Aber am ganzen Wahltag gab es nur eine einzige nachprüfbare und auch in der Westlichen Welt bewiesene Unregelmäßigkeit: Mousawi hat nur wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale seinen Sieg verkündet. Und genau jene "Unregelmäßigkeit" dürfte eines der Beweise dafür sein, dass hier einiges mit diesem Mann nicht mit rechten Dingen zuging!

Das Volk im Iran will die westliche Weltherrschaft nicht; ob es dem Westen passt oder nicht! Und eines der Gründe, warum Mousawi so klar verloren hat, dürfte in der unverblümten westlichen Unterstützung gelegen haben. Nach den Wahlen sind tatsächlich einige Randalierer auf die Straße gegangen, aber es war nicht weiter nennenswert. Jede Mai-Krawalle in Deutschland sind umfangreicher, und auch da würde niemand von Bürgerkrieg sprechen. Schlechte Verlierer haben randaliert und die Polizei hat die Ruhe wieder hergestellt. Mousawis Äußerungen als Auslöser jener Randale, und auch die Äußerungen von einem anderen Kandidaten Karrubi dürften aber ein rechtliches Nachspiel haben.

Westliche Reporter überschlagen sich dieser Stunden aber mit Widersprüchen über Widersprüchen. So soll - so will man suggerieren - "nur noch" die Jugend des Landes gegen Ahmedinejad sein. Merkwürdig aber ist, wie dann Ahmedinejad bei der jüngsten Bevölkerung der Welt dann so klar gewinnen konnte! Also bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder westliche Journalisten lügen, oder aber es gab Manipulationen. Da westliche Journalisten per Definition der eigenen Chefredaktionen nie lügen, insbesondere dem Selbstverständnis der Springer-Presse nach, bleibt also nur noch die Option der Manipulation, und die wird jetzt einige Tage dem Publikum eingehämmert werden! Sie wird u.a. von denen den westlichen Bürgern eingehämmert, die einerseits in ihren eigenen Systemen manipulierbare Wahlautomaten durchsetzen wollen und andererseits in Europa so lange wählen lassen, bis das Ergebnis den eigenen Vorstellungen entspricht.

Wie man aber auch sehr anständig eine Wahl verlieren kann, haben die Anhänger der Islamischen Revolution im Libanon demonstriert. Wenn das Volk sie nicht wählt, dann akzeptieren sie das und verhalten sich nicht nur absolut ruhig, sondern gratulieren dem Wahlsieger. Damals wurde der Wahlsieger von der Westlichen Welt geradezu gefeiert und als herausragender Sieger gelobt, obwohl er einen Parlamentssitz abgeben musste (was nie erwähnt wurde).



Das Hauptproblem des Wahlausgangs im Iran für die Westliche Welt ist nicht nur, dass ihr Wunschkandidat verloren hat, sondern auch dass ihre gesamten Analysen, alle ihre Prognosen völlig daneben lagen und sie deshalb von einen "überraschenden" Ergebnis sprechen; aber überraschend für wen? Erst wird völlig frei erfunden, dass Musawi ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Amtsinhaber hätte, dann wird sein Sieg verkündet, noch bevor auch nur ein einziges Ergebnis vorliegt, und dann ist man natürlich überrascht, wenn es anders ausgeht! Wer aber intensiven Kontakt mit der revolutionären Bevölkerung des Iran hatte, konnte nicht überrascht sein. Die Liebe zu dem System ist derart ausgeprägt, dass Leute die größten Schwierigkeiten auf sich genommen haben, und mitwählen zu können. Dem Schreiber dieser Zeilen ist beispielsweise eine fast 70 Jahre alte deutsche Glaubenschwester bekannt, die inzwischen die iranische Staatsbürgerschaft hat und daher wählen kann, die einen schwerkranken Verwandten in Deutschland besuchen gekommen ist und diesen kurzzeitig verlassen musste, nur um bei den Wahlen im Iran sein zu können! Das Liebe erfüllte Volk im Iran ist bereit, jedes Opfer zu bringen, um weiterhin frei von westlichem Hegemonialwahn zu sein und nicht von Puppen und Schickimicki Westfans beherrscht zu werden.

Mousawi wird - nachdem der Alltag bereits morgen schon wieder eingekehrt sein dürfte - sich im Iran verantworten müssen für die Dinge, die er am Wahlabend von sich gegeben hat. Aber noch etwas Besonderes zeichnete diesen Wahlkampf aus. Ahmedinejad hat einigen seiner Vorgänger im Präsidialamt Korruption vorgeworfen; ein bisher einmaliger Vorgang in der Islamischen Republik Iran. Daher könnte in der Unterstützung für Mousawi durch die früheren Präsidenten Rafsandschani und Khatami viel mehr stecken, als heute absehbar. Sollte wirklich die frühere Korruption bekämpft werden, dürften noch einige "Überraschungen" auf die Westliche Welt zukommen.

So lange die Westliche Welt glaubt, dass die Welt am Westlichen Wesen genesen muss, wird sie letztendlich das Schicksal all jener teilen, die in der Geschichte ähnliche Gedanken gewaltsam verbreitet haben. Und die Westliche Welt - das hat der Tag gezeigt - wird noch sehr sehr viel verlieren, nicht nur im Iran, sondern auch im Irak, in Afghanistan, in Pakistan im Libanon, in Palästina und vielen anderen Ländern, in denen sie den Bürgern ihren Lebensstil und ihre Wertelosigkeit aufzwingen will.

Foto: aljazeera.netAngesichts der unbeschreiblichen Medienpropaganda des Tages fällt es schwer an ein vernünftiges Miteinander zu glauben, aber es gibt keine Alternative. Vielleicht denken auch jene Journalisten einmal daran, dass auch sie in der gleichen Welt leben, die sie mit ihrer Propaganda so sehr schädigen. Und eines Tages könnte auch die Bevölkerung in Deutschland "überraschend" wählen, wenn es die Nase voll hat von solch einer Propaganda.

Abschließen sei noch ein Blick auf die angeblich "ausgestreckte Hand Obamas" geworfen. Als Obama gewählt wurde, hat Ahmedinejad ihm gratuliert. Als Ahmedinejad gewählt wurde, hat Obama nicht gratuliert. Genau so ist das Verständnis der Westlichen Welt, was ausgestreckte Hände angeht! Das Problem dabei ist: Außer einem Teile der eigenen Bevölkerung glaubt ihnen niemand mehr.

© Muslim Markt



Wie der westliche Propagandaapparat seine Wut herauslässt

Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.


  1. * schreibt am 17.06.2009 08:46
    Um Allahs willen, das ist ja noch dümmer als ich befürchtet habe
  2. Kuddel schreibt am 16.06.2009 20:11
    Von Springer bis taz:
    WAHLFÄLSCHUNG, WAHLFÄLSCHUNG, WAHLFÄLSCHUNG

    weil nicht ist, was nicht sein darf ... ??!!??

    Wohltuend hebt sich hier die Süddeutsche Zeitung hervor:
    (und 0815-Info freut sich tierisch. das wir mal wieder Recht behalten haben ... grins)
    Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik (ein 100%er Think Thank der Bundesregierung !!!, A.d.R) im Interview

    Perthes: "[...] Ich habe erst heute eine Umfrage des amerikanischen Centre for Public Opinion auf den Tisch bekommen, die im Mai durchgeführt wurde. Demnach ist Ahmadinedschad doppelt so populär wie Mussawi - genau dieses Ergebnis haben wir bei der Wahl gesehen. Ebenso interessant ist eine andere Zahl: 46 Prozent der Iraner glauben, dass unter Ahmadinedschad die Inflation gesunken und die Wirtschaft gewachsen ist. Ökonomen werden vorrechnen, dass dies falsch ist, aber entscheidend ist, dass Millionen Iraner dies glauben. [...]

    sueddeutsche.de:
    In Europa und den USA hat das Ergebnis für Entsetzen gesorgt. Ein paar Bilder von hübschen Mädchen die viel Haar zeigen, machen noch keinen demokratischen Umsturz. War der Westen zu naiv?

    Perthes: Es ist ein typischer Fall von wishful thinking. Schon vor vier Jahren glaubte niemand an einen Sieg Ahmadinedschads. Dafür gibt es eine Erklärung: Journalisten, Wissenschaftler und Experten halten vor allem Kontakt zu Iranern im Norden Teherans, wo vor allem Geschäftsleute und Diplomaten leben. Also Menschen, die eine Fremdsprache beherrschen und modern sind. Zu anderen Teilen des Landes gibt es nur wenig Kontakt. Bei den Bassidschi, den paramilitärischen Milizen, oder den Revolutionsgarden der Pasdaran gibt es auch Hunderttausende junge Leute und wir wissen nicht, wie diese denken.

    Quelle: sueddeutsche.de
    Hervorhebungen: 0815-Info



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