Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, hat
der Bundesregierung »völliges Versagen« beim Aufbau der afghanischen Polizei
vorgeworfen. Voraussetzung für einen Truppenabzug sei eine selbsttragende
Sicherheitsstruktur aus funktionierender Verwaltung und Justiz sowie loyalen
Polizei- und Streitkräften, sagte Gertz am Mittwoch in Berlin und betonte: »In
allen Bereichen sind wir nach gut fünf Jahren in Afghanistan noch um Lichtjahre
von der Erreichung der selbstgesteckten Ziele entfernt«.[1] Die Bundeswehr kann
sofort abziehen – problemlos! von Tilo Schönberg
Die obigen Zeilen stammen aus einer AFP-Meldung vom 19. September.
»In allen Bereichen …« - man beachte, dass diese Meldung über AFP kam! Ein
hochrangiger Militär sieht die realen Zustände in Afghanistan und kommt zu dem Entschluss,
dass nach fünf Jahren „ISAF“ nichts von dem erreicht wurde, was man seitens der
EU vorgab zu erreichen.
Foto: steinbergrecherche.com
Am Anfang dieser Woche fand im Hamburger Stadtteil
Wilhelmsburg eine Veranstaltung der örtlichen Friedensgruppen statt. Das Thema
war Afghanistan und der Referent war ein Hochkarätiger: Dr. Matin Baraki[2]. Der
Marburger Politikwissenschaftler ist selbst gebürtiger Afghane und bereist sein
Heimatland des Öfteren, zuletzt im März dieses Jahres. Matin Baraki malt ein erschreckendes
Bild des desolaten Zustandes von Afghanistan, welches man der Bundesregierung
und jedem Bundestagsabgeordneten ständig unter die Nase halten sollte.
Das Verhältnis von Militärkosten und Kosten für den
Wiederaufbau liegt, laut Baraki, bei 900:1. Andersherum gesagt, stehen jedem
Euro, der für den Aufbau des Landes ausgegeben wird, 900 Euro gegenüber, die das
Militär verschlingt. Das ist schlicht politischer Wahnsinn. Für die 250
bundesdeutschen Soldaten die im Kundus, also im Norden des Landes, stationiert sind,
baute man die größte Militärbasis, die Deutschland außerhalb seiner Grenzen
betreibt. Kostenpunkt: 12 Millionen Euro, laufende Kosten nicht mitgerechnet. Es
pfeifen die Spatzen von den Dächern, das die Bundeswehr in Afghanistan
hauptsächlich damit beschäftigt ist, sich selbst zu beschäftigen, sprich zu
beschützen. In Afghanistan tätige NGO’s verbitten sich jeglichen militärischen „Schutz“
– er bringt sie nur in Lebensgefahr.
Baraki wies auch auf die engen personellen Verflechtungen
von Regierung und Drogenmafia hin[3]. Auch darauf, das die Regierung in Kabul
nicht vom afghanischen Volk gewählt, sondern auf der berühmt-berüchtigten
Petersberg-Konferenz[4] zusammengesetzt wurde. Karsai beispielsweise, sei per
Handy darüber informiert worden, das er jetzt Präsident sei. Karsai befand sich
zu diesem Zeitpunkt auf einem amerikanischen Flugzeugträger. Die Hälfte der
afghanischen Regierung besteht aus sogenannten US-Afghanen, also Afghanen mit
US-amerikanischen Pass. Die andere Hälfte setzt sich aus Euro-Afghanen
zusammen. Nur ganze drei Mitglieder, darunter der Energieminister, kommen aus
dem eigenen Land.
Die Drogenmafia baut in Kabul super-moderne Häuser nach
europäischen Standard, die dann an NGO’s und andere ausländische Institutionen
vermietet werden, für Mieten von bis zu 8.000$ - monatlich! Auch so landen Gelder
für den Wiederaufbau in den Taschen der Warlords und Drogenbosse. Überhaupt der
Wiederaufbau. Dafür beauftragt man ausländische Firmen und das bei Arbeitslosenquoten
im Land von bis zu 90%! Hier wird so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur
falsch machen kann.
Einen Satz von Matin Baraki möchte ich noch deutlich
hervorheben: „Die Bundeswehr kann sofort
abziehen – problemlos!“ Diesen Satz sollten sich besonders all die „linken“ Spinner in Linkspartei und anderen
„linken“ Organisationen hinter die Ohren schreiben, die meinen „wir können da
nicht einfach abziehen“; Wir können und
wir müssen! Die Bundeswehr ist in Afghanistan nur aktiv, weil in der
Berliner Republik der Großmachtwahn ausgebrochen ist. Deutschland will als „Global-Player“
international mitmischen, deshalb schicken wir Soldaten.
Nicht nur die US-Amerikaner sind in Afghanistan völlig
verhasst, die NATO kommt da gleich hinterher und Matin Baraki machte deutlich,
das der Widerstand in Afghanistan nur zu 5% einen islamistischen Hintergrund
hat. Auf die Frage aus dem Publikum, wie es dann aber in Afghanistan weitergehen
soll, hatte Baraki eine genauso simple wie einleuchtende Antwort. Afghanistan
gehört zum Verbund der nichtpaktgebundenen Staaten[5]. Gegen Friedenstruppen
aus islamischen Ländern und Ländern der Nichtpaktgebunden hätte die afghanische
Bevölkerung nichts einzuwenden, zumal diese die islamischen Traditionen achten
und beachten würden – ein Manko an dem die gesamte bisherige Besatzerpolitik gescheitert ist. Aus diesen
Staaten sollten auch Beobachter kommen, die eine dann einzuberufende Loja
Dschirga[6] begleiten, in der dann die Weichen für die weitere Zukunft Afghanistans
gestellt werden sollen. Ohne Amerikaner und ohne politische Beeinflussung von
Außen.
Was schreibt Steinberg zu Baraki: „Baraki ist kundig; ihm
zuzuhören, macht Spaß.“[7]
Geschrieben von Kuddel am Donnerstag, 20. September 2007
Versagen in Afghanistan
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jakester schreibt am 20.09.2007 20:55
von dem wichtigsten fakt ausgegangen, dass der gegenwaertige als auch zukuenftig miserable zustand des afghanischen volkes nicht im geringsten eine rolle spielt, gibt es doch keinerlei grund fuer die 'wessis' aus afghanistan abzuziehen. bis zu 90% arbeitslosigkeit und einer 900 zu 1 differenz zwischen militaer und aufbau sprechen alleine schon die allerdeutlichste sprache.
genauso deutlich ist die klare undefinition, dass man das ganze noch mindestens ein jahrzehnt durchziehen 'muesse'. warum auch nicht. trotz dem erschreckenden bild des desolaten zustands afghanistans, laueft doch sonst alles wie geschmiert.
eine der perversionen ist, dass die milliarden-schweren NGO's in afghanistan sich jeglichen militaerischen "schutz" verbitten, da er sie nur in lebensgefahr braechte. die brauchen das militaer nicht mehr, da sie sich den taliban kommerzialisiert habe. dieser wieder, 'behaust und schuetzt seine 'anlage. und ausserdem fuehrt man die eigene blackwater-soeldner-armee mit sich und jeder profitiert.
wie hoch ist die 'privatkapitale bereicherung' deutschlands, um die macht zu haben eine weiterhin militaerische praesenz erzwingen zu koennen? der milliarden- boom scheint gut genug zu sein, um uns unter anderem die 'krieg fuer sicherheits-und humanitaere-luege' zu verkaufen. "wir 'duerfen' da nicht einfach abziehen?"
es gibt sicherlich einige sehr rentable aspekte um in afghanistan zu bleiben. keine ahnung in wieweit deutschland an den drogen beteiligt ist oder ob dies ueberhaupt eine deutsche rolle spielt. nichts desto trotz wird fast ehrfuerchtig verbreitet, dass in afghanistan eine neue rekordernte bevorsteht. 30% zuwachs zum letztjaehrigen 6000tonnen-rekord wird dieses jahr mit ueber 8000tonnen den weltbedarf ueberschreiten und somit weiterhin die preise auf der strasse druecken. macht es diesbezueglich ueberhaupt noch einen sinn zu erwaehnen, dass 'oel-militaer und drogen das profitabelste trio unserer zeit darstellen und afghanistan, mal abgesehen von seiner idealen strategischen lage, der dreh und 'angelpunkt' des westlichen kapitalismus verkoerpert.
die 'blockfreien' ins spiel zu bringen ist ein belaecheltes unterfangen. auch wenn sie 55% der weltbevoelkerung bringen und eine 'zwei-drittel mehrheit' in der un-vollversammlung, werden sie seit ihrem offiziellen bestehen diskriminiert und ignoriert. ausserdem stehen einige der blockfreien auf der demokratisierenden interventionsliste. nun, die sind nun mal weder westlich noch sonst irgendwie attraktiv, welches in einigen faellen nicht einmal religionsabhaengig ist. sie sind schlicht und einfach 'unbequem'.
wie man den afghanistan-einsatz zb. deutschland beendet? einfach..."Auf den »rechtfertigenden Notstand« darf sich nach den Worten des früheren Verfassungsgerichtspräsidenten Ernst Benda allerdings nur «der Bürger berufen, nicht aber der Staat»."
es gibt einige "rechtfertigende notstaende" in deutschland. darauf sollte man sich 'berufen um diesem grossmachtwahn und dem moechtegern 'global-player' kurs dieser unwirklichen deutschen elite ein ende zu setzen.
noch gibt es die gesetze dafuer (bis zum jahresende)