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Den nachfolgenden Text habe ich von Dagmar Henn‘s Facebook-Seite "raubkopiert"

Hier, was ein schwarzer marxistischer Politologe zum Thema "Antirassismus" zu sagen hat (vielleicht bringt das Einige mal zum Nachdenken):

"Antirassismus ist heute ein in der amerikanischen Linken beliebtes Konzept. Natürlich wollen alle Guten gegen Rassismus sein, aber was bedeutet das Wort genau?"

 


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von Adolph Reed

Der gegenwärtige Diskurs des "Antirassismus" (und Identitätspolitik als Ganze) konzentriert sich weit mehr auf Taxonomie als auf Politik. Sie betont die Bezeichnung, die wir einigen Strängen der Ungleichheit geben sollen - ob sie allgemein als Beleg für "Rassismus" anerkannt werden sollten - stärker als die Benennung des Mechanismus, der sie erzeugt, oder gar die Schritte, die unternommen werden können, um sie zu bekämpfen. Und nein, weder die "Überwindung des Rassismus" noch die "Zurückweisung des Weiß-Seins" sind geeigneter für einen solchen Schritt als das Warten auf eine "Revolution" oder das Flehen um Gottes himmlisches Eingreifen. Wenn die Organisation einer Demonstration gegen Rassismus ein substantielleres politisches Handeln zu sein scheint als die Teilnahme an einer Gebetsrunde für den Weltfrieden, liegt das nur daran, dass gegenwärtige antirassistische Aktivisten meinen, sie würden die gleichen Taktiken einsetzen und die gleichen Ziele verfolgen wie ihre Vorläufer in der Zeit starker Unruhen im Kampf gegen die Rassentrennung.

Diese Sicht ist jedoch falsch. Der Nachkriegsaktivismus, der im Süden als "Bürgerrechtsbewegung" seinen Höhepunkt erreichte, war keine Bewegung gegen einen allgemeinen "Rassismus"; er richtete sich spezifisch und explizit auf volle bürgerliche Rechte für schwarze Amerikaner und gegen ein System der Rassentrennung, das ein spezifisches Regime expliziter rassischer Unterordnung im Süden kennzeichnete. Die Bewegung des Marschs auf Washington in den 1940ern richtete sich auch gegen spezifische Ziele, wie Diskriminierung in der Beschäftigung in der Rüstungsproduktion. Die Zeit der Black Power wie die Kämpfe danach richteten sich ebenfalls auf den Kampf gegen spezifische Ungleichheiten und folgten spezifischen Zielen wie der wirkungsvollen Ausübung von Stimmrechten und spezifischen Programmen der Umverteilung.

Ob man diese Ziele für korrekt und angemessen hält oder nicht, sie waren auf eine Art und Weise klar und strategisch, wie der "Antirassismus" (die Identitätspolitik) es nicht ist. Sicher, diese früheren Kämpfe bezogen sich auf einen Diskurs der Gerechtigkeit zwischen den Rassen, aber ihre Ziele waren konkret und strategisch. Erst in einer Periode der politischen Demobilisierung wurden die historischen Genauigkeiten dieser Kämpfe über einen romantischen Idealismus eingeebnet und aus dem Blick gedrängt, der sie in zeitlose Abstraktionen wie "die schwarze Befreiungsbewegung" homogenisierte - einem Phänomen, das, wie Brigadoon, gelegentlich auftaucht und wiederkehrt, ganz seiner eigenen Logik folgend.

Ironischer-weise scheint Antirassismus als Basis der Politik mit mehreren Generationen Verzögerung den Sieg jener Nachkriegspsychologen zu verkörpern, die versuchten, die Kritik der rassischen Ungleichheit zu entpolitisieren, indem sie den Schwerpunkt von den sozialen Strukturen, die rassische Ungleichheit erzeugen und reproduzieren, hin auf das letztlich individuelle und ahistorische Gebiet des "Vorurteils" oder der "Intoleranz" verschoben. (Zweifelsohne wurde diese Verschiebung teilweise durch die politischen Gebote unterstützt, die mit dem Kalten Krieg und dem heimischen Antikommunismus verknüpft sind)."

"Identitätspolitik ist keine Alternative zur Klassenpolitik; es ist eine Klassenpolitik des linken Flügels des Neoliberalismus. Sie ist der Ausdruck und die aktive Verfechtung einer politischen Ordnung und moralischen Ökonomie, in der die kapitalistischen Marktkräfte als unangreifbare Natur behandelt werden. [...] Innerhalb dieser moralischen Ökonomie wäre eine Gesellschaft, in der 1% der Bevölkerung 90% der Ressourcen kontrolliert, gerecht, wenn etwa 12% des 1% schwarz wären, 12% Latinos, 50% Frauen und was auch immer die angemessenen Anteile waren, LGBT-Leute."

Quellenangaben:

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