Als der, hier nachfolgend veröffentlichte, offene Brief an die deutschen Medien und an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages in meinem elektr. Briefkasten landete, habe ich ihn erst einmal auf Halde gelegt. Seit der Veröffentlichung unseres »offenen Briefes an Wladimir Putin erreichen mich derartige Schreiben nahezu wöchentlich. Aber irgendetwas ließ mir bei dieser Mail keine Ruhe. War es die Überschrift? Irgendwann habe ich mir dann doch die beiliegende PDF-Datei zu Gemüte geführt und – Überraschung! - aus meinem anfänglichen Lächeln wurde ein ziemlich breites Grinsen! Hier macht sich Einer Gedanken über die Darstellung seines Landes in unseren Medien und bleibt dabei, eben typisch Russe!, noch recht höflich, angesichts der Absonderungen unserer „Demokraten“ und deren „Sturmgeschützen“. Mir fällt dazu ja eher eine Wortwahl ein, die man strafrechtlich gegen mich verwenden könnte. Aber lest selbst! Hier schreibt einer, der sein Land bestens kennt und dem es einfach nur weh tut, wie unsere „freie“ Presse Russland und seinen Präsidenten behandelt und darstellt. Mir, als ein Mensch, der St. Petersburg, Leningrad, Moskau und Sewastopol nicht nur vom Namen her kennt, geht hier, schlicht gesagt, das Herz auf!


 


russia.jpg

Ein Versuch Russland der deutschen Politik und den deutschen Medien verständlicher zu machen

von Roman Kut

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Roman Kut. Ich bin 34 Jahre alt, verheiratet und habe ein Kind. Ich gehöre zur Minderheit der Russland-Deutschen (Spätaussiedler im Behördendeutsch) und lebe seit knapp 20 Jahren in Deutschland. Ich bin kein Mitglied einer Partei, Sekte, Burschenschaft etc. Ich bin sozusagen ein Einzelkämpfer.

Viele, die dieses Schreiben lesen werden, werden geneigt sein mich in die linke Ecke zu stecken oder als Putin-Versteher zu bezeichnen. Ich würde es jedoch bevorzugen, wenn Leute, an die dieses Schreiben gerichtet ist, mich in die Wahrheits- bzw. Gerechtigkeitsecke stecken würden. Was ich hier schreiben werde, wird nicht allen gefallen. Wenn es der Fall sein sollte, dann habe ich zumindest etwas mit diesem Schreiben bewirkt oder eine lebhafte Diskussion angeregt.

Um Ihnen den Einstieg in dieses Schreiben zu erleichtern, möchte ich Sie vorab daran erinnern, dass Sie lediglich Volksvertreter sind. Das heißt, dass Sie das Volk nur vertreten, während das Volk damit beschäftigt ist, Ihre nicht gerade geringen Diäten zu verdienen.

Bei Beachtung der Inschrift „DEM DEUTSCHEN VOLKE“ auf dem Reichstagsgebäude ist nicht wirklich klar, was mit diesem Halbsatz gemeint ist: das Gute oder das Böse. Früher ging ich immer davon aus, dass hiermit unbedingt etwas Gutes für das Deutsche Volk einhergehen muss. Nach Beobachtung der deutschen Politik, insbesondere der Außenpolitik der letzten Monate im Ukraine-Konflikt, könnte man durchaus zur Überzeugung gelangen, dass hier mehr das Böse gemeint ist. Angesichts der nicht nachvollziehbaren Entscheidungen der deutschen Politik sowie des widerlichen Verhaltens der überwiegenden Zahl der deutschen Massenmedien gegenüber Russland in diesem Konflikt, breitet sich ein flaues Gefühl im Magen aus, für Ärzte und Doktoren unter Ihnen: die Peristaltik möchte sich nach hinten entladen! Mit diesem Schreiben möchte ich nicht alle über einen Kamm scheren. Ausnahmen gibt es sowohl in der Politprominenz als auch in den Medien. Es macht jedoch den Eindruck als wäre die überwiegende Mehrheit der Entscheidungsträger in der Politik und in den Massenmedien nicht ihrer Verantwortung bewusst.

Um Ihnen aufzuzeigen, warum ich die Haltung der deutschen Bundesregierung und die Handlungen der deutschen Außenpolitik sowie der Berichterstattung der deutschen Massenmedien in der aktuellen Ukraine-Krise als absolut falsch erachte, möchte ich 23 Jahre zurückgehen und mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion beginnen.

1) Zusammenbruch der Sowjetunion und die sozial-politischen Folgen
Ich war gerade einmal 11 Jahre alt, als die Sowjetunion aufgelöst wurde. Seit ich klein war, musste ich auf der „Datscha“ (Schrebergarten) mit anpacken. Von den eingelegten Gurken, Tomaten, sowie von Obst und Kartoffeln hing, ich möchte nicht sagen das Überleben, wohl aber der bescheidene Wohlstand von Millionen sowjetischer Familien, so auch meiner Familie, ab. Und das trotz der Tatsache, dass meine Eltern vollbeschäftigt waren. Außerdem zählte es zu meinen Aufgaben vor der Schule, denn die Schule fand in den Anfangsklassen bei mir nachmittags statt, lebensnotwendige Lebensmittel wie Brot und Milch zu besorgen. Deshalb stand ich sehr oft in Herrgottsfrüh auf und begab mich auf die Suche, denn ich konnte nicht immer davon ausgehen, dass im nächsten Laden das Gesuchte vorhanden, und falls doch, nicht bereits durch die „Babuschkas“ (Omas) vergriffen sein würde. Niemand hat die Kilometer gezählt, die ich auf diese Weise zurückgelegt habe. Dafür war ich voller Stolz, wenn ich den täglichen Auftrag meiner Eltern erfüllt hatte. Ich konnte nicht viel Urlaub in Italien oder Spanien verbringen. Dafür war ich häufig bei der Verwandtschaft auf dem Lande und verbrachte den kompletten Sommer an der frischen Luft. Rückblickend kann ich nicht sagen, dass meine Kindheit schlecht war. Sie war mit Sicherheit nicht weniger glücklich als die Kindheit vieler europäischer oder amerikanischer Kinder. Ich hatte eine intakte Familie, ich ging zur Schule und hatte genug zum Essen. Und ich habe früh gelernt zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. So ging es auch Millionen anderen Kindern und Menschen in der Sowjetunion. Ich bin weit davon entfernt das Leben in der Sowjetunion zu glorifizieren. Als erwachsener Mensch verstehe ich durchaus, dass manches dort nicht richtig war. Aber wo gab es schon das Paradies auf Erden? Genauso bin ich weit davon entfernt die Zeiten der Sowjetunion zu verteufeln. Verglichen mit dem Chaos der 90er, war das Leben in der Sowjetunion in vielen Aspekten um einiges sicherer.

Was passierte nun, als die Sowjetunion aufgelöst wurde und was waren die Folgen? Diese Frage kann nur jemand beantworten, der das Ganze miterlebt hat. Nur wenige im Westen können sich in die Lage von Millionen von Menschen versetzen, deren Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wurde. Hier im Westen war man lediglich froh, dass die Gefahr eines Nuklearkrieges gebannt war. Ansonsten ging das Leben seinen gewohnten Lauf. In der Sowjetunion war man mit Sicherheit ebenfalls froh, einen atomaren Krieg vermieden zu haben. Jedoch fing dort für viele, während im Westen Festivitäten zu Ehren Gorbatschows abgehalten wurden, der Wettlauf ums Überleben an.

a) Arbeitslosigkeit
Viele Betriebe gingen innerhalb eines kurzen Zeitraumes zu Grunde. Infolgedessen wurden Millionen von Menschen arbeitslos. Diejenigen, die glücklich genug waren, ihre Arbeit nicht zu verlieren, hatten weniger Glück, als es dazu kam ihr hart verdientes Geld zu erhalten. Es kam sehr oft vor, dass man erst monatelang, manchmal ein halbes Jahr oder länger, warten musste, bis man sein Gehalt bekam. Bei Geldmangel wurden die Arbeiter häufig mit der Ware entlohnt, die der Betrieb, in dem sie angestellt waren, hergestellt hatte. Froh waren diejenigen, die bei einem Alkoholhersteller gearbeitet haben, denn an Abnehmern hatte es damals nicht gemangelt. Versuchen Sie mal eine Familie durchzubringen, ohne ein geregeltes Einkommen, ohne nennenswertes Arbeitslosengeld, ohne Hartz4, ohne Grundsicherung etc.! Und wehe dem, der keine Datscha sein Eigen nennen konnte. Denn von diesen Datschas hing nun oftmals das wirkliche Überleben der Familie ab.

Dies führte dazu, dass viele, die nicht von ihrer Arbeit leben konnten, gezwungen waren mit Handel von Ramsch-Waren, die sie beispielsweise aus der Türkei oder aus China auf eigenem Rücken importiert haben, zu handeln. Nicht selten waren es Ärzte und Professoren, Lehrer und Ingenieure, Leute also, die der oberen Gesellschaftsschicht angehörten. So auch mein Vater, der als leitender Ingenieur im Lokomotiv-Depot angestellt war. Nicht zuletzt seinem großen Engagement war es zu verdanken, dass unsere Familie finanziell gesehen, verhältnismäßig gut über die Runden kam. Innenstädte und Bahnhöfe einer jeden ehemals sowjetischen Stadt verkamen zu Basaren und Umschlags-Plätzen für Billigware. Als Folge des verstärkten Handels entstanden aus dem gesellschaftlichen Abschaum kriminelle Verbindungen - man nennt im Westen so etwas glaube ich "Mafia" - eine Organisation, an die man Schutzgelder entrichten musste. Wenn man sich weigerte zu zahlen, musste man damit rechnen ins Jenseits befördert zu werden und auf der nächsten Müllhalde zu landen.

b) Massenexodus
Millionen von Menschen mussten mangels Arbeit ihre Heimat verlassen (im Neudeutschen „displaced persons“) und sich auf die Arbeitssuche in andere Landesteile bzw. schon in andere Länder begeben. Dies trifft insbesondere auf die Menschen in den zentralasiatischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion zu: Kasachen, Kirgisen, Tadschiken, Usbeken, Turkmenen. Dazu kamen Tschetschenen, Armenier und Georgier etc. aus dem Kaukasus. Viele von diesen Menschen gingen Ende der Neunziger nach Russland. Dies war ein Exodus, den es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in dieser Form wohl nicht mehr gegeben hat. Diese Menschen waren und sind bis heute gezwungen teilweise als illegale Tagelöhner in Großstädten zu arbeiten und sonst ihr erbärmliches Dasein in, nach dem westlichen Standard nicht erträglichen, Unterkünften zu fristen. Im Übrigen hat sich in Russland für diese Leute der Begriff „Gastarbeiter“ im alltäglichen Sprachgebrauch beliebt gemacht - ein Wort, das genauso wie im Deutschen ausgesprochen wird.

Können Sie sich vorstellen, zu was diese Völkerwanderung führte? Ich erkläre es Ihnen anhand eines einfachen Beispiels. Nehmen wir mal an, die Stadt München erfährt im Laufe eines Jahres einen Zustrom von 20.000 zusätzlichen Türken, 20.000 zusätzlichen Arabern und, um das Ganze noch ein Stück internationaler zu machen, 10.000 afrikanischen Flüchtlingen, die gerade an die Küste Lampedusas gespühlt wurden. Dazu würden städtische Strukturen zur Aufnahme dieser Leute nahezu nicht existent sein. Abgesehen davon, dass zur Unterbringung dieser Menschen kein Platz vorhanden wäre, würde es innerhalb kürzester Zeit bestenfalls zu Resentiments und schlimmstenfalls zu sozialen Unruhen und zur Radikalisierung der Gesellschaft kommen, mit allem was dazu gehört. Jetzt können Sie sich in etwa vorstellen wie hoch das Konfliktpotential in einer Stadt wie Moskau sein muss, die innerhalb eines kurzen Zeitraums Hunderttausende Gastarbeiter aufnehmen musste. Unlängst wurden wir Zeugen von Massenunruhen in Moskau auf Grund des Mordes, der an einem Einheimischen begangen wurde (»http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/moskau-mafia-kontrolliert-lebensmittel-grossmarkt-pokrowskaja-a-928314.html). Und man wundert sich im Westen, dass sich in Russland das Neonazitum ausbreitet? Wir müssen froh sein, dass angesichts solcher Zustände, wir aus Russland nicht mehr bezüglich dieser Problematik hören. Ich bin davon überzeugt, dass in Deutschland diese Probleme überhand nehmen würden. Die Verbrechen in den 90ern in Rostock und Solingen hierzulande wären nur ein Vorgeschmack dafür gewesen.

c) Inflation, Armut, ökonomische Unsicherheit und Aufkommen von Oligarchie

Inflation
Zu erwähnen wäre auch noch die ständige Inflation, der alle ausgesetzt waren. Viele Leute, die nicht geschafft haben ihr Geld zu investieren, haben all ihre Ersparnisse verloren. Allein im Jahr 1992 betrug die Preissteigerung in Russland das 25-fache des Vorjahres. Was meinen Sie, wie viele Leute deshalb den Suizid gewählt, oder sich zu Tode gesoffen haben, weil sie keinen Ausweg mehr gesehen hatten? Im Jahr 1994-1995 wurde der absolute Rekord von 61.000 Selbstmorden erreicht (ca. 41 Suizide pro 100.000 Einwohner), eine Steigerung von mehr als 50 % gegenüber dem Jahr 1991. Gemäß den Angaben der WHO gehörten Mitte der 90er die ersten fünf Plätze in dieser Statistik allesamt den ehemaligen Republiken der Sowjetunion.

Armut
Geht man durch eine russische Stadt, so wird man viele arme Leute sehen, die manchmal ihr letztes Hab und Gut auf der Straße verhökern. Dies betrifft insbesondere alte Menschen – Rentner, die von 100 € Rente im Monat überleben müssen. Die Mitleid erregenden Babuschkas verkaufen ihre Tomaten und Gurken um ihre mickrige Rente aufzubessern.

Während viele deutsche Rentner sich eine Flusskreuzfahrt durch Russland erlauben können oder könnten, sieht der Lebensabend von vielen russischen Rentnern etwas anders aus. Hier in Deutschland hat man gar keine Vorstellung davon, was ein Existenzminimum ist!

Ökonomische Unsicherheit
Der Großteil der Russen hat nach wie vor keine Gewissheit in den morgigen Tag. Das ökonomische Chaos der 90-er steckt vielen noch tief in den Knochen sowie im Gedächtnis. Deshalb gelten bei den Russen andere Prioritäten als im Westen. Russen tun sich hart damit Geld zu sparen, nicht, weil sie es nicht könnten, sondern weil sie keine Sicherheit haben, dass die wirt- schaftliche Lage stabil bleibt. Also sind sie bemüht das Geld, das da ist, relativ schnell auszugeben. Und wofür geben sie dieses Geld aus? Viele kaufen sich Artikel aus dem Westen: Au- tos, Elektronik, Kleidung. Jeder, der im Osten war, weiß, dass Frauen dort besonderen Wert auf ihr Äußeres legen. Die deutschen Männer, viele von Ihnen im fortgeschrittenen Alter, gehen nicht zuletzt deshalb nach Russland oder in die Ukraine, um dort eine Frau fürs Leben zu finden. Insofern profitieren wir Deutsche ebenfalls von dieser Unsicherheit der Russen, in dem wir unsere Autos nach Russland exportieren oder russische Frauen „importieren“ können. Dies sollte berücksichtigt werden!

Aufkommen von Oligarchie
Es ist mir absolut unbegreiflich warum man hierzulande jedem Oligarchen, sei es aus Russland oder aus der Ukraine, den roten Teppich ausrollt. Macht man mit diesen Leuten etwa eine gemeinsame Sache? (»http://www.voltairenet.org/article182303.html) Bedenken Sie meine Damen und Herren, dass diese Leute sich im Zuge der Privatisierung des Volkseigentums, insbesondere der Bodenschätze, bemächtigt haben, häufig auf eine verbrecherische Art und Weise. Das ist das gleiche, als würde man Herrn Mehdorn die komplette Deutsche Bahn überschreiben! Dann wäre er auf einmal auch reich wie ein Oligarch. Also denken Sie immer daran, wenn Sie im Kampf für Freiheit und Menschenrechte dem nächsten Oligarchen aus Russland um den Hals fallen, dass dieser Mensch Menschenrechte mit Füßen getreten hat. Denken Sie bitte an diejenigen Rentner in Russland, die sich keine Medikamente leisten können, weil ihre Rente so klein ist, und deshalb gezwungen sind, ihre mit eigenem Blut im Großen Vaterländischen Krieg bezahlten Medaillen und Orden auf dem Schwarzmarkt zu verhökern.

d) Einsetzen des Wertezerfalls und erhöhte Kriminalität

Verbitterung und Gleichgültigkeit der Gesellschaft
Auf Grund des Überlebenskampfes, den viele in den 90ern führen mussten, sind die Menschen verbitterter geworden. Die Umgangsform und Umgangston der Menschen untereinander hat sich radikal verschlechtert. Es entstand eine Ellenbogengesellschaft. Eine Kleinigkeit reicht aus und schon fühlen sich Menschen provoziert und meinen, sich in unflätiger Weise revanchieren zu müssen. Dies kann insbesondere an den Supermarktkassen oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr häufig beobachtet werden. Andere Leute sind mehr oder weniger gleichgültig zu dem, was um sie herum passiert. In 2008, im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise, wurde ich während meiner kurzen Verweildauer in St. Petersburg Zeuge eines Raubüberfalls. Niemanden hat das Verbrechen interessiert, denn man konnte keine Leute erkennen, die dem Oper zur Hilfe eilten.

Sexuelle Revolution
Neben den guten und nützlichen Informationen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion plötzlich zugänglich geworden sind, sind ebenfalls weniger gute Informationen und Inhalte in den post-sowjetischen Raum gelangt. Zu Zeiten der Sowjetunion hat man sogar gescherzt, dass es keinen Sex im Land gebe. Viele Leute wussten sogar nicht, was Schwul-Sein bedeutet. Und plötzlich rollte auf die Menschen eine „Sex-Lawine“ zu, die aus dem Westen ins Land schwappte. Viele Inhalte dieser Lawine wurden als nachahmenswert empfunden.

In Deutschland wird immer wieder mal von Politikern versucht, anhand von Beispielen aus dem Fußball, die eine oder andere Situation zu beschreiben. Ich würde gerne an dieser Stelle einen Vergleich aus der Technik anführen. In der Regelungstechnik existieren u.a. zwei Begriffe: Sprung und Sprungantwort. Bei einem Sollwert-Sprung versucht der Regelkreis die Regelgröße so nah wie möglich an den Sollwert zu regeln. Dabei kann es, wenn der Regler falsch eingestellt ist, zu einem Schwingverhalten und somit zu Überschwingern (Starke Abweichungen vom Sollwert) kommen. Ähnlich verhält es sich meines Erachtens mit dem oben beschriebenen Sachverhalt. Die Flut an sexuellen Informationen und die damit verbundene „sexuelle Revolution“, die in den 90ern in Russland stattfand, waren sozusagen ein Sprung. Mit dem in Russland unlängst beschlossenen Gesetz, der die homosexuelle Propaganda unter Minderjährigen mit Geldstrafen belegt, für das man hier in Westen meint Russland ständig kritisieren zu müssen, handelt es sich um eine Sprungantwort des Regelkreises. Mit dem Regelkreis meine ich hier natürlich die russische Regierung. Aus der westlichen Sicht war diese Reaktion der russischen Regierung viel zu übertrieben, also ein Überschwinger bzw. eine Regelabweichung. Ich kann nur aus persönlicher Erfahrung im Umgang mit Russen berichten und sagen, dass sehr viele dieses Gesetz befürworten. Laut einer Umfrage, die in 2013 durchgeführt wurde, wird dieses Gesetz von 88 % der Bevölkerung unterstützt (»http://wciom.ru/index.php?id=459&uid=114190).

Und warum ist es so? Weil die Russen in ihrer Mehrheit ein konservatives Volk sind, das auch trotz der politischen Zustände in der Sowjetunion ihre Religion bewahrt hat. Nach 70 Jahren Kommunismus, gepaart mit Stalinismus, ist es sozusagen zu einem plötzlichen Zusammenstoß der zwei Überzeugungen – Konservatismus und Liberalität – gekommen.

An dieser Stelle sollte noch ein Mal erwähnt werden, dass noch im Jahr 1994 in der Bundesrepublik Deutschland ein Gesetz existierte, dass eine Bestrafung sexueller Handlungen unter Männern (§175 StGB) möglich machte (»http://www.spiegel.de/einestages/schwulenparagraf-175-zeitzeuge-klaus-born-musste-ins-gefaengnis-a-971970.html). In Russland wurde die Straffälligkeit für Homosexualität dagegen bereits im Jahr 1993 abgeschafft.

Ein anderes Beispiel ist Großbritannien. Zwanzig Jahre nachdem die Straffälligkeit für sexuelle Handlungen dort eliminiert wurde, hatte man im Jahr 1988 ein Gesetz (Local Government Act 1988, Clause 28) beschlossen, in dem die Propaganda der Homosexualität verboten wurde. Sollte z.B. im Schulunterricht die Homosexualität erwähnt werden, so waren die Lehrer angehalten sie im gleichen Atemzug als „abnormal“ zu bezeichnen.

Es gibt auch andere Beispiele, die hier aufgeführt werden könnten. Also tun wir doch nicht so als wären wir in dieser Sache schon seit mindestens tausend Jahren absolut liberal. Es sind Doppelstandards und Scheinheiligkeit, die wir im Westen diesbezüglich an den Tag legen. Russland muss die Zeit bekommen seinen Weg zu gehen und seine Fehler, falls es überhaupt solche sind, machen zu dürfen.

Fakt ist, dass eine äußerst skeptische Haltung gegenüber den Homosexuellen in den meisten osteuropäischen Ländern vorherrscht (»http://www.sueddeutsche.de/kultur/homosexuelle-in-osteuropa-unheilige-allianzen-in-lettland-1.774448). Die Ukraine bildet da mit Sicherheit keine Ausnahme.

Erhöhte Kriminalität
Abgesehen von diversen Bürgerkriegen und Konflikten, die im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion an Russlands Grenzen sowie im post-sowjetischen Raum entstanden, konnte auch ein rasanter Anstieg der Kriminalität registriert werden. Es gründeten sich Banden, die diejenigen, die versucht hatten über die Runden zu kommen, indem sie ein kleines Geschäft aufbauten, erpressten und drangsalierten. Oftmals wurden die kleinen Geschäftsleute auf offener Straße umgebracht. Über die organisierte Kriminalität der 90er wurden später zahlreiche Filme produziert, die auf realen Handlungen basierten.

Mütter konnten ihre Kinder nicht mehr auf offener Straße spielen lassen, so wie es zu Zeiten der Sowjetunion üblich war. Viele haben nach wie vor Angst ihre Kinder alleine zu lassen.
Raubüberfälle und Diebstähle etc. haben sich über alle Ebenen hinaus gesteigert. Sehr viele russische Wohnungen haben zwei Türen: eine massive Stahltür und eine normale Eingangstür. Kurz vor unserer Abreise nach Deutschland im Jahr 1994 wurde unsere Garage (ebenfalls mit einer Stahltür ausgestattet) aufgebrochen und die Räder unseres Autos gestohlen. Man fand das Auto ohne Räder auf Ziegelsteinen stehend vor.

Leute, die einen Schrebergarten besitzen und auf ihn, insbesondere die Rentner, angewiesen sind, müssen dort oft nachts Wache schieben, um zu verhindern, dass die Ernte Beine bekommt. Diese Beispiele sprechen meines Erachtens alle für sich.
 

2) Die Ukraine-Krise

An dieser Stelle möchte ich zur aktuellen Ukraine-Krise überleiten und einige Fragen stellen, die meiner Meinung nach absolut berechtigt sind. Weiterhin möchte ich aufzeigen, wie heuchlerisch, arrogant und voller Doppelmoral das Verhalten unserer Politik und Medien in diesem Konflikt ist.

a) Die Vorgeschichte
Alle unter Punkt 1) aufgezählten Punkte sind entweder solche, die ich persönlich erlebt oder solche, die ich aus Gesprächen mit Russen, sozusagen aus erster Hand, erfahren habe. Es ließen sich auch andere Beispiele nennen.

Das alles und vieles mehr meint der russische Präsident, als er den Zusammenbruch der Sowjetunion als die größte geopolitische Katastrophe des 20 Jahrhunderts bezeichnet. Nach dieser Katastrophe war das Land förmlich am Ende. Neben den ganzen Konflikten kamen in den 90ern die ökonomischen Schwierigkeiten hinzu. Als ob Russland nicht schon genug innenpolitische Probleme hätte, hat man sich trotzdem dazu entschlossen auf einen Liegenden nochmals einzuschlagen, indem man außen-poltische Probleme künstlich kreierte wie z.B.:

  • Angriffskrieg gegen Serbien und die anschließende Abtrennung von Kosovo
  • Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen (NGO’s) und diversen Revolutionen an Russlands Grenzen
  • Aufnahme von osteuropäischen Ländern in die NATO und somit die Verschiebung eines mächtigen Militärbündnisses an Russlands Grenzen
  • Installation eines Raketenabwehrschirms in Polen
  • Provozierung eines Krieges in Georgien in 2008

Dabei drängt sich die Frage auf:
Musste dies Alles sein, und wer profitiert davon???

Warum war man nicht willig oder scheinbar nicht in der Lage die Sicherheitsinteressen Russlands zu akzeptieren und hat sie auf eine so eklatante Art und Weise ignoriert? Der Angriff auf Syrien in 2013 wurde in letzter Sekunde durch den russischen Präsidenten verhindert, indem er die Dummheit des amerikanischen Außenministers ausnutzte. Und nun der Konflikt in der Ukraine, den WIR im Westen verursacht haben!

b) Das unerträgliche Verhalten der deutschen Politiker im Ukraine-Konflikt
Neben den vielen westlichen Politikern wie Nuland (fuck the EU) oder McCain (got no brain) waren auch deutsche Politiker auf dem Maidan (Westerwelle und Harms). Sie alle haben die Lunte an diesen Konflikt gelegt. Spätestens nach dem klar war, dass der Vertrag vom 21. Februar 2014, den der deutsche Außenminister in Kiew mit unterschrieben hatte, nicht eingehalten werden konnte, hätte man sich von der neuen verfassungswidrigen und zudem faschistischen Übergangsregierung in Kiew distanzieren müssen! Und da hilft es nicht auf die deutschen Demonstranten, die in dieser Sache im Prinzip Recht haben, herunter zu brüllen, und vor der Presse zu sagen, dass diese Reaktion Russlands in keinster Weise vorhersehbar war, Herr Steinmeier! (»http://www.youtube.com/watch?v=nZSvEx5r9AQ)

Es ist unglaublich wie stark die deutsche Politik von Russophobie durchsetzt ist. Es gibt hierzulande scheinbar Politiker, die förmlich danach lechzen es Russland heimzuzahlen. Es kann nicht sein, dass der Bundesvorsitzende der Partei, die für sich in Anspruch nimmt eine Friedenspartei zu sein, öffentlich vor die Presse tritt und Folgendes von sich gibt:

„Dass die Bürgerinnen und Bürger Deutschland künftig stärker zwischen dem Westen und Russland sehen wollen, ist sicher Realität, aber nichts, was dazu führen darf, dass wir diesem Wunsch nachgeben“.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article126592916/Deutsche-Distanz-zu-den-USA-beunruhigt-die-Politik.html)

Die gleiche Person nimmt sich das Recht heraus, Altkanzler Schmidt dafür zu kritisieren, dass er Verständnis für die Position Putins zeigt. (»http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine- krise-gruene-kritisieren-helmut-schmidt-fuer-putin-verstaendnis-a-960951.html) Die Spitzenkandidatin der gleichen Partei für die Europawahl wollte einem anderen Altkanzler gar einen Maulkorb verhängen. (»http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-03/schroeder-kommentar-lenz)

Ein anderer Politiker, wiederum von derselben Partei, schimpft auf Lenin und Stalin (»http://www.youtube.com/watch?v=Ve9sPX-FB7Q), von denen „dieses Kolonialreich mit eiserner Hand zusammengehalten worden“ ist und vergisst im gleichen Atemzug zu erwähnen, dass diese Berufs-Revolutionäre und somit die Oktoberrevolution 1917 in Russland vom Deutschen Reich finanziert wurden. (»http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-54841257.html)

Mit diesen Äußerungen und dieser Ignoranz der Geschichte, Herr Özdemir, Frau Harms und Herr Schulz, haben Sie Ihrer Partei einen großen Schaden zugefügt und sie höchstwahrscheinlich in die politische Marginalität verdrängt! Sie haben außerdem bewiesen, dass Ihr politisches Engagement auf dem Niveau der Käfer und Blümchen besser aufgehoben ist!

Als Nächstes möchte ich einen Auszug aus Orlando Figes‘ Buch „The Crimean War“ zitieren. Es geht um das Verhalten der Kirche in Großbritannien, nach der Kriegserklärung der Westmächte (Frankreich und Großbritannien) an das Russische Reich im Jahr 1852:

„As soon as the declaration became public, Church leaders seized upon the war as a righteous struggle and crusade. On Sunday, 2 April prowar sermons were preached from pulpits up and down the land. Many of them were published pamphlet form, some even selling tens of thousands of cop-ies, for this was an age when preachers had the status of celebrities in both the Anglican and Non- conformist Church. In Trinity Chapel in Conduit Street, Mayfair, in London, the Reverend Henry Beamish told his congregation that it was a ‘Christian duty’ for England
To interpose her power to maintain the independence of a weak ally against the unjustifiable ag- gression of an ambitious and perfidious despot, and to punish with the arm of her power an act of selfish and barbarious oppression – an oppression the more hateful and destructive, because it is attempted to be justified on the plea of promoting the cause of religious liberty and the highest interests of Christ’s kingdom
On Wednesday, 26 April, a fast-day set aside for ‘national humiliation and prayer on the declaration of war’, the Reverend T.D. Hartford Battersby preached a sermon in St John’s Church, Keswick,in which he declared that.
The conduct of our ambassadors and statesmen has been so honourable and straightforward, so forbearing and moderate in the transactions which have led to this war that there is no cause for humiliation at this time, but rather of strengthening ourselves in our righteousness, and that we should rather present ourselves before God with words of self congratulation and say, ‘We thank thee, O God, that we are not as other nations are: unjust, covetous, oppressive, cruel; we are a religious people, we are a Bible-reading, church-going people, we send missionaries into all the earth.’”

Von dem Konflikt damals lässt sich eine hervorragende Parallele zum Konflikt von heute ziehen. Wir haben zwar keine Kirche mehr, die zum Krieg aufruft, jedoch einen Bundespräsiden- ten – einen ehemaligen Pfarrer - dessen Namen hier zu erwähnen es einfach nicht Wert ist, der seine Kriegstrommel bereits herausgeholt hat. Dieser Mann ist allzu schnell bereit auf dem "Altar der Freiheit und Menschenrechte" das Menschenleben anderer zu opfern (»http://www.youtube.com/watch?v=Fj0ip0oAecc).

Wenn man sich dieses Interview vom 20.03.2014 anhört, findet man folgende Aussage des Bundespräsidenten:

„Wir meinen nicht, dass das Militär eine Möglichkeit ist, die Konflikte der Zeit angemessen zu lösen. Etwas anderes ist es wenn alle diplomatischen Mittel versagt haben. Und wenn Menschen hingeschlachtet und hingemordet werden, dann noch zu sagen: ‚Die militärische Option? Die wollen wir demokratischen Staaten niemals annehmen, mögen auch noch so viele Verbrecher noch so viel morden!‘ Das wollen wir nicht! Und das ist eine Form von Verantwortungsscheu, die ich niemals akzeptieren werde!“

Es kann festgehalten werden, dass im derzeitigen Ukraine-Konflikt monatelang alle diplomatischen Mittel versagt haben. Jedoch muss der Bundespräsident so russophob und voller Hass gegenüber Russland und Russen sein, dass er das Hinschlachten und Hinmorden der ost-ukrainischen Bevölkerung durch das Kiewer Regime stillschweigend akzeptiert hat. Wo ist denn Ihr Einsatz für diese Menschen, die von den Schergen in Kiew mit Haubitzen und Flugzeugen bombardiert wurden, Herr Bundespräsident? Wo war denn Ihr Einsatz, Herr Bundes- präsident, als Menschen in Odessa bei lebendigem Leibe verbrannt wurden? Wo war denn Ihr Einsatz, Herr Bundespräsident, als Menschen in Mariupol abgeschlachtet wurden?

Bei seiner Rede am 01.09.2014 in Danzig hat dieser Mensch Folgendes von sich gegeben:

„Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern“.

Ich glaube mittlerweile zu wissen, wen dieser Mann als Aggressor ausgemacht hat! Die Geschichte lehrt uns aber auch, Herr Bundespräsident, dass viele, die sich mit Russland angelegt haben, eins auf die Fresse bekommen haben!!! Ich bitte vielmals um Entschuldigung für die unflätige Ausdrucksweise an dieser Stelle, meine Damen und Herren!

Unsere Regierung und die EU hofiert die russophoben, ukrainischen Politiker und Oligarchen, indem sie Ihnen Preise verleiht und Geld gibt.
- »http://www.youtube.com/watch?v=1EdW9VFeHBQ
- »http://www.spiegel.de/politik/ausland/merkel-verspricht-ukraine-500-millionen-euro-kreditbuergschaft-a-987724.html

Sagen Sie, Frau Merkel, wenn Sie mit dem Geld der deutschen Steuerzahler um sich werfen, denken Sie nicht eine Sekunde über etwas nach? (»http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-militaerparade-zum-unabhaengigkeitstag-a-987783.html)

Nach dem das malaysische Passagierflugzeug MH17 abgeschossen wurde, war man so schnell, um die Separatisten und Russland zu beschuldigen und neue Sanktionen gegen Russ- land zu beschließen (»http://www.voltairenet.org/article184952.html), jedoch so langsam um Beweise vorzulegen. In der Tat sieht derzeit alles danach aus, dass die Verbrecher-Regierung in Kiew in dieser Sache Dreck am Stecken hat. (»www.nst.com.my/node/23569?m=1)

c) Das unerträgliche Verhalten der deutschen Medien im Ukraine-Konflikt
Das Verhalten der deutschen Presse ist größtenteils abscheulich. Die üblichen deutschen Zeitschriften haben im Zuge dieser Krise eine Kehrtwende zum Üblen vollzogen. Wer soll denn nach dem Ableben von Scholl-Latour die journalistischen Fahnen hochhalten?

Anbei wieder ein Ausschnitt aus Orlando Figes‘ Buch „The Crimean War“. Dabei geht es um die Reaktion der britischen Presse, nachdem die Russische Flotte bei Sinope im Schwarzen Meer die Türkische Flotte vernichtend geschlagen hat.

The Cronicle declared: „We shall draw the sword, if draw it we must, not only to pre- serve the independence of an ally, but to humble the ambitions and thwart the machina- tions of a despot whose intolerable pretentions have made him the enemy of all civilized nations.”
The provincial press followed the bellicose and Russophobic line of Fleet Street. “Mere talking to the Tsar will do nothing,” argued an editorial in the Sheffield and Rotherham Independent. “The time appears to be at hand when we must act so as to dissipate the evil designs and efforts of Russia.”

Ich werde im Folgenden einige Artikel zitieren und zwischen den Zeilen lesen, um Ihnen klar zu machen, dass die heutige, deutsche Presse in ihrer Hetze der Presse des 19. Jahrhunderts in Nichts nachsteht.

Am 28.07.2014 erschien der Spiegel mit dem Cover, auf dem Putin dargestellt war, mit der Überschrift „Stoppt Putin jetzt!

Am 27.07.2014, eine Woche nach dem Absturz der Passagiermaschine MH17, erschien ein Artikel auf Spiegel-Online mit der Überschrift „Deutsche befürworten härtere Sanktionen gegen Putin“ (»http://www.spiegel.de/politik/ausland/umfrage-zu-russland-deutsche- befuerworten-haertere-sanktionen-a-983083.html). Es wurde dabei eine Umfrage gemacht, in der herauskam, dass 52 % der Deutschen harte Sanktionen gegen Russland unterstützen - selbst wenn dieser Schritt viele Arbeitsplätze gefährden würde. Beim genauen Hinsehen, am Ende des Artikels, wurden die Bedingungen aufgelistet, unter denen diese Umfrage durchgeführt wurde:

  • 1.000 wahlberechtigte Bürger wurden in computergestützten Telefoninterviews befragt
  • Zeitraum 23. Und 24 Juli 2014-09-02
  • Statistische Fehlertoleranz: 1,4 % bis 3,1 %
  • Anmerkung der Redaktion, dass es in der früheren Version dieses Artikels geheißen hat „selbst wenn dies den Verlust vieler Arbeitsplätze bedeuten würde

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/18510/spiegel-verschaerft-umfrageergebnis-zu-sanktionen-gegen-russland/)

Machen Sie sich selbst ein Bild davon, meine Damen und Herren, ob dies eine Hetze ist oder nicht. Nach Abzug der Toleranz ist es plötzlich keine Mehrheit der Deutschen mehr!!! Ich liege bestimmt nicht falsch, wenn ich behaupte, dass der Großteil der Leser nicht den ganzen Artikel bis zu seinem Ende gelesen hat. Die Mehrheit hat mit Sicherheit die Überschrift überflogen und sich weiterhin den Fußballschlagzeilen gewidmet! Bei einem anderen Spiegel-Online-Artikel geht es um den Raketenabwehrschirm (»http://www.spiegel.de/politik/ausland/nato-debattiert-ueber-raketenabwehr-gegen-russland-a-987739.html)

Darin heißt es gleich am Anfang:

„In der Nato gibt es Überlegungen, die gegen potenzielle Angriffe aus dem Nahen Osten geplante Raketenabwehr auch gegen Russland auszurichten“

Sagen Sie mal, liebe Spiegel-Redaktion, für wie dumm halten Sie eigentlich den deutschen Leser? Der eigentliche Grund warum dieser Artikel überhaupt zustande kommen konnte, ist doch dieser Abwehrschirm, den Russland schon seit Jahren als Bedrohung empfindet! Und das ist doch ziemlich egal, ob dieser Abwehrschirm gen Süden oder gen Osten ausgerichtet ist! Hauptsache er ist schon da! Und es bedarf nur eines Tastendrucks, damit die Richtung geändert wird!

Weiter unten heißt es:

„Die Mehrheit, allen voran Deutschland, sprach sich jedoch dagegen aus, weil man Moskau nicht ohne Not provozieren solle. Schließlich habe die Nato jahrelang den Russen versichert, der Raketenschirm richte sich nicht gegen sie.“

Soll mit diesem Absatz glaubhaft gemacht werden, dass im Falle einer weiteren Versicherung gegenüber den Russen, dass der Raketenschirm nicht gegen Russland gerichtet ist, die russische Regierung plötzlich anfängt daran zu glauben??? Was soll das???

Es gibt noch viele andere Beispiele, die das widerliche Verhalten des größten Teils der deutschen Presse in diesem Konflikt spiegeln. Dabei gilt, und das ist das Wahnwitzige, die deutsche Presse unter allen europäischen noch als russlandfreundlich!

Und diese Hetze geht jeden Tag weiter!
Liebe Presse-Leute, was denkt Ihr, wer Ihr seid? Denkt Ihr, dass man die deutsche Bevölkerung zu Zeiten des Internets und der globalen Vernetzung der Menschen untereinander für Dumm verkaufen kann? Denken Sie vielleicht, dass die Strategie eines „Stürmers“, bei der man das eine Volk gegen das andere aufgehetzt hat, auch heute funktionieren wird? Ich denke nicht, dass die ehemals seriösen Magazine sich lange auf dem Markt halten werden, wenn Menschen diese Masche durchschauen. Denn es gibt für diejenigen, die sich wirklich informieren wollen, bereits jetzt echte Alternativen:


3) Das Fazit
Fakt ist, dass dieses Volk „unkaputtbar“ ist! Und warum ist es so? Weil, während in den westlichen „Demokratien“ die Bevölkerung sich ziemlich schnell gegen die Regierung stellt, die Russen die Eigenschaft besitzen, sich um Ihren Führer zu scharen (ich weiß, Sie werden diesen Begriff nicht mögen). Für die Russen gelten Russland und insbesondere die Krim als „heilig“. Und das hat nichts mit Nationalismus, Rechts-Sein oder gar Faschismus zu tun, wie man in der westlichen Presse oft behauptet, sondern einzig und allein mit Patriotismus und Liebe zu seinem Vaterland, und das egal wie schlecht die momentane Lage ist! Und dieser Patriotismus entstand nicht einfach so, sondern im Laufe der letzten Jahrhunderte. Und zwar deshalb, weil russophobe und verbrecherische westliche Regierungen immer gemeint haben Kriege auf den russischen Boden tragen zu müssen. Wir alle wissen, dass es für alle früher oder später nicht gut geendet hat!!! Man wird sich auch in diesem Ukraine-Konflikt eine blutige Nase holen, sei es auch nur in wirtschaftlicher Hinsicht!

Bedenken Sie, dass die absolute Mehrheit der Russen das Verhalten der russischen Regierung als gerecht ansieht. Und das ist keine Mehrheit nach Spiegel-Standard! Viele Russen laufen jetzt schon in T-Shirts mit dem Gesicht des russischen Präsidenten und der Aufschrift „Unsere lassen wir nicht im Stich“. Ich würde mich nicht wundern, wenn es demnächst in Russland lautet „Unsere Sache ist gerecht! Wir werden siegen!“ gemäß dem Motto des Großen Vaterländischen Krieges. Es ist ein Land, in dem die Erinnerungen an diesen Krieg bei weitem nicht verblasst sind. Nahezu jeder kennt »Leonid Golikow, »Soja Kosmodemjanskaja, »Marat Kasej und »Soldat Saizew, »Marschall Rokossowski und »Marschall Schukow. Und dadurch, dass sie eine teilfaschistische Regierung in Kiew – einer ur-russischen Stadt – unterstützen, haben Sie diese große, nicht verheilte Wunde, wieder aufgemacht, egal ob bei den Russen der Ost-Ukraine oder denen Russlands.

Diese Mentalität der Russen wird man im Westen wahrscheinlich nie verstehen! Also hilft wahrscheinlich nichts anderes, als an „Russland zu glauben“, wie es ein russischer Poet treffend formuliert hat!

Deshalb ist es lächerlich, Russland mit Sanktionen zu belegen, denn Sanktionen werden mit Gegensanktionen beantwortet! Russland ist zu stark, um auf diese Weise in die Knie gezwungen zu werden! Und ganz ehrlich, was wollen Sie mit einem Russland in diesem Zustand? Diese Frage wird ebenfalls von Herrn Steingart vom Handelsblatt in seinem Artikel „Der Irrweg des Westens“ aufgegriffen (»www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/politik-der-eskalation-der-irrweg-des-westens-/10308844.html). Ist es wirklich Ihr Ziel, den größten Flächenstaat der Erde ins Chaos zu stürzen, meine Damen und Herren? Hierzulande mag man die Frage „Wem nützt das?“ nicht besonders. Jedoch ist sie absolut berechtigt! Und es macht auch absolut keinen Sinn, Russland unsere „westlichen“ Werte aufzuzwingen! Ist es denn so schwer verständlich, dass ein Land, das nie das Zeitalter der Aufklärung durchgemacht hat, diese Aufdringlichkeit und diesen Snobismus von Seiten seiner westlichen Nachbarn als subtilen Kolonialismus empfindet???

Ich behaupte, dass es in Russland nie eine Demokratie nach westlichem Standard geben wird. Wir haben alle gesehen, dass zu viel Freiheit in diesem Land nur zu Chaos, ähnlich dem in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, führt. Und wenn die Quintessenz der westlichen Demokratie und der westlichen Menschenrechte darin bestehen soll, andere Staaten ins Chaos zu stürzen, dann kann Russland darauf gerne verzichten. Es gibt genug Kriegstreiber auf dieser Welt!

Die meisten Russen wünschen sich nichts mehr als Stabilität in ihrem Land, insbesondere ökonomische. Und die derzeitige Stabilität in Russland ist Putin zu verdanken! Eine Verbesserung hinsichtlich der freien Meinungsäußerung, verglichen mit den Zeiten der Sowjetunion, kann ebenfalls nicht geleugnet werden. Und das ist eine Verdrehung der Tatsachen, Herr Altmeier, zu behaupten, dass Jelzin hinsichtlich Demokratie einiges erreicht hat (»http://www.youtube.com/watch?v=HVNfjYP10uE [Minute 36:36]). Wenn Jelzin etwas erreicht hat, dann war das eine "Nahezu-Anarchie" im Land. Ihr Auftritt in dieser Sendung war an Arroganz nicht zu überbieten, Herr Altmeier!

Wir als Deutsche haben keinen Grund uns in diesen Konflikt einzumischen! Und wenn, dann nur humanitär! Die Bundesregierung unterstützt das Regime in Kiew, obwohl es klar auf der Hand liegt, dass es Verbrechen gegen das eigene Volk begeht! Davon berichtet sogar schon die Abgeordnete im ukrainischen Parlament (»https://www.youtube.com/watch?v=k25m68oy0vY) Schon jetzt kommen mehr und mehr Verbrechen dieser Regierung ans Tageslicht!

Eine sofortige Distanzierung von der Regierung in Kiew wäre für die Bundesregierung die beste aller Optionen gewesen. Stattdessen hat man sich im Konflikt zweier Großmächte vor den amerikanischen Karren spannen lassen und sich somit für die schlechteste Option entschieden. In diesem Konflikt wird einem wirklich bewusst, was es bedeutet Transatlantiker zu sein - nämlich eine komplette Unterwerfung vor den USA!!!

Sie haben sich, meine Damen und Herren, auf ein Terrain begeben, auf dem Sie scheinbar keine Ahnung haben und folgen blind dem großen „Freund“ aus Übersee. Sie vergessen je- doch dabei, dass hier Menschenleben auf dem Spiel stehen! Braucht Deutschland nach dem, was es im 20 Jahrhundert verursacht hat, weitere Tote???

Russland hatte mindestens genau das gleiche Recht die Krim und die Stadt Sewastopol in seine Föderation aufzunehmen, auf das man sich bei der Unabhängigkeit des Kosovo berufen hat. Und wissen Sie warum? Weil bereits im Jahr 2010 der internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen in Bezug auf den Kosovo in einem Gutachten feststellte, dass eine einseitige Unabhängigkeitserklärung von Kosovo im Einklang mit dem allgemeinen, internationalen Recht steht. Die Nichtanerkennung des Krim-Referendums durch den Westen zeigt, dass hier mit zweierlei Maß gemessen und das Völkerrecht zur Manövriermasse von geo-strategischen Interessen degradiert wird. Das Verhalten des Westens erinnert an das Verhalten eines dreijährigen Kindes, das immer dann klein ist, wenn es um das Aufräumen von Spielzeug und immer dann groß, wenn es um das Erhalten von Süßigkeiten geht. Wir verhalten uns sozusagen immer so, wie es uns gerade in den Kram passt! Dies ist inakzeptabel und zudem auch noch gefährlich!!!

Das Symbol der Russischen Föderation – der doppelköpfige Adler - stellt die Ausrichtung Russlands gen Westen und Osten dar. Wenn die Ukraine für Russland wegfallen würde wäre Russland dazu verurteilt, überwiegend ein asiatisches Land zu sein! Im Übrigen käme dies einer Enthauptung des linken Adlerkopfes gleich und das Wappen würde einfach nicht gut aussehen!

Man meint hier im Westen wieder einen ein Feind gefunden zu haben, der gar keiner ist!

Ich habe persönlich weder vor Russland, noch vor Russen, noch vor Putin Angst! Vorurteile und Phobien entstehen durch Unkenntnis, meine Damen und Herren! Es gibt heutzutage Behandlungsmöglichkeiten für alle Phobien, liebe Politiker und Presseleute!

Ich rufe hiermit alle auf, die eine Russland-Phobie haben, sich behandeln zu lassen! Wenn alle Heilungsversuche jedoch scheitern sollten und Sie durch Ihre Phobie, sonstige Einflüsse oder „Freunde“ in den Krieg gegen dieses wunderschöne Land getrieben trieben werden, dann dürfen Sie Ihre Söhne und Enkelkinder als erste an die Front schicken!!! Ich mache dabei nicht mit!!! Stattdessen gehe ich lieber den Weg eines »Alexander Schmorell!!!

Ich schließe dieses Schreiben mit dem Gedicht eines berühmten russischen Dichters ab und verbleibe.

Mit freundlichen Grüßen
Roman Kut

"Verstand wird Rußland nie verstehn,
Kein Maßstab sein Geheimnis rauben;
So wie es ist, so laßt es gehn -
An Rußland kann man nichts als glauben."

Fjodor Tjuttschew

© Roman Kut

Grafik: kein©! Quelle: Wikipedia

Notiz:

Diskussionsbedarf? Ab ins »Forum!