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Betreff: Eingabe: Trump - May
Datum: 01. Dezember 2017 um 13:24:57 MEZ
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Eingabe: Trump - May

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte Rundfunkräte,

wieder einmal versuchen "Gniffke & Friends" dem werten Publikum zu verklickern, wie doof und ungeschickt der US-Präsident Trump sich der Weltöffentlichkeit über Twitter zu präsentieren pflegt, als ob es nicht alle Welt längst begriffen hätte. Diesmal war es die ausgiebige Berichterstattung über eine Meinungsverschiedenheit zwischen Trump und der britischen Premierministerin May, die den begrenzten Sendeplatz von ARD-aktuell noch mehr verengte. Gleich dreimal wurden die "Kunden" mit einer Nachricht belästigt, die selbst bei denkbar großzügiger Auslegung nicht als "Weltnachricht" begriffen werden konnte, zumal sie nullkommakeinen Neuigkeitswert hat, angesichts der seit Monaten fast gepflegten, monothematischen Berichterstattung über Trump als veritablen Dösbaddel und Widerling.

Es ging bei dem nebensächlichen kleinen Zoff um die mediale Unterstützung von Seiten Trumps für eine englische, rechtsradikale Aktivistin, die mit drei Videos gegen die vermeintliche Grausamkeit von Muslimen agitierte, ein rassistisch motivierter Vorfall, der in allen Ländern der "Westlichen Wertegemeinschaft“ mittlerweile Normalität ist, im allgemeinen aber nur geringe Aufmerksamkeit genießt, weil bei ständiger Erwähnung derartiger Vorfälle zu befürchten ist, dass der News-Effekt sich abnützt. Warum die Meldung dennoch gleich dreimal Eingang in ARD-aktuell-Nachrichten fand, bleibt ein Rätsel, zumal Dr. Gniffkes ehernes Nachrichten-Auswahlprinzip von ihm selbst so beschrieben wird:

"Jeden Tag wird bei ARD-aktuell aufs Neue darüber diskutiert und gerungen, über welche Ereignisse in welchem Umfang berichtet wird. Nachrichten zu machen, bedeutet stets, Nachrichten zu gewichten und eine Auswahl zu treffen, denn aus Tausenden von Meldungen muss zwangsläufig eine Auswahl getroffen werden. ARD-aktuell ist sich dieser Tatsache bewusst, und wir gehen so verantwortungsvoll wie möglich damit um. Dabei sind wir keiner politischen Instanz, Partei oder sonstigen Interessengruppen verpflichtet. Das öffentlichrechtliche ARD-Gemeinschaftsprogramm wird aus Rundfunkbeiträgen finanziert und arbeitet frei von staatlicher Einflussnahme."

Da stellt sich die Frage: Was für Ringkämpfe müssen in der Redaktion stattgefunden haben, bis sie zu dem Ergebnis kam, das genannte Thema gleich dreimal (und auf so kindische Weise) aufzugreifen? Selbstverständlich hätte die Meldung auch in den Rang einer "Weltnachricht“ gebracht werden können, wenn ARD-aktuell professionell mit ihr umgegangen wäre:

Gezeigt wird in einem der Videos, wie ein Muslim eine Marienfigur zerstört.

Hätten Gniffke & Friends genau hingeschaut und sich tatsächlich als "Qualitätsjournalisten" bewährt, so wäre ihnen aufgefallen, dass es sich bei dem Muslim um Sheik Omar Raghba gehandelt hat, der am 23.10. 2013 in Jakubija, nahe der dschihadistisch beherrschten syrischen Stadt Idlib, die Marien-Statue zerstörte. Er gehörte zur von den USA unterstützten "»Freien Syrischen Armee", trug jedenfalls deren Kleidung. Vermutlich wechselte er später zum IS.

In der Region um Idlib wohnten viele Christen, die flüchten mussten, als "moderate Rebellen" wie Sheik Omar Raghba dort auftauchten und ihr Unwesen trieben, Terroristen also, die jahrelang von Gniffke, Schwenck und Co. als heldenhafte Opponenten gegen das "Assad-Regime" gefeiert wurden.

Das Video beweist nicht, wie die rechtsorientierte englische Aktivistin zu suggerieren versucht, dass alle Muslime gewalttätig sind. Aber es macht deutlich, mit welchem Gesocks die "Westliche Wertegemeinschaft“ (medial unterstützt von der ARD) in Syrien jahrelang paktiert hat.

Hierauf aufmerksam zu machen und die jahrelange prowestlich-propagandistische Berichterstattung als schweren Fehler einzugestehen wäre in diesem Fall journalistisch geboten gewesen. Die Geschichte als Streit mit Premier May dem Trump hinten an den Frack zu kleben und ihn als Blödmann vorzuführen, wird den Vorgängen in keiner Weise gerecht, entspricht allerdings dem Stil von ARD-aktuell.

Hier wurde eindeutig gegen journalistische Grundsätze verstoßen, denen die Nachrichtengebung laut Staatsvertrag zu folgen hat. Mit Blick auf die desinformierenden Passagen und das Weglassen wesentlicher Hinweise und Informationen ist ein Verstoß gegen die Programmrichtlinien nicht zu leugnen.

Mit freundlichen Grüßen
»Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

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