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Betreff: Programmbeschwerde: Armutsbericht
Datum: 24.März 2017 um 21:53:40 MESZ
An: "NDR RR VWR" [email protected]

Programmbeschwerde: Tagesthema Armutsbericht - manipuliert statt moderiert

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte Rundfunkräte des NDR,

an dieser Stelle ist von einer Spitzenleistung der TT-Moderatorin Caren Miosga in den Disziplinen Oberflächlichkeit/Fahrlässigkeit zu reden – wenn man nicht böswillige manipulative Absicht unterstellen will. Wir beziehen uns auf einen ihrer Moderationstexte in den Tagesthemen vom 23.3. 17. (Link s.o.)

In der fraglichen Sendung hatte C. Miosga einzuführen in das Thema „Bundesregierung legt Armuts- und Reichtumsbericht vor.“ Sie hätte nur einen Blick auf die „Armuts- und Reichtumsuhr“ werfen müssen, um zu erkennen, dass von einem hochdynamischen Prozess zu reden gewesen wäre: Das reichste Zehntel der deutschen Bevölkerung besitzt derzeit 5,4 Billionen Euro Nettoprivatvermögen, das entspricht 64 Prozent des Gesamtvermögens. Tendenz: rasch weiter steigend. Das ärmste Zehntel der Bevölkerung hat 17,4 Milliarden Euro Schulden zu tragen. Die Zahl der Armen (mit und ohne Schulden) nimmt zu, die Intensität der Armut ebenfalls. Quelle: »http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/17.reichtumsuhr.html

Statt also daran zu erinnern, dass die Kluft zwischen Arm und Reich sich hierzulande immer weiter und schneller öffnet und vertieft, schwadroniert Caren Miosga schönfärberisch von einem statischen Zustand:

[…] Nach den reinen Wirtschaftsdaten geht es Deutschland zwar sehr gut.Aber nun legt die Bundesregierung einen Bericht vor, der besagt, dass es längst nicht allen Deutschen gut geht, sondern nur denen, den es schon immer gut ging. Und das ist die eigentlich ungute Lehre aus dem sogenannten Armutsbericht: Reiche bleiben reich, Arme bleiben arm und haben nicht nur wenig Anteil am Wohlstand in diesem Land sondern auch immer weniger am gesellschaftlichen und politischen Leben.

Sprache ist ein Schlüssel des Denkens. Halten wir uns nicht bei der verkorksten Quasselei dieser Frau auf, denn der Miosga-Erkenntnis, dass „Arme ...nur wenig Anteil am Wohlstand“ haben, ist mit Logik einfach nicht mehr beizukommen. Miosga führt nicht in den A-R-Bericht ein, sondern lenkt von seiner gewichtigsten Aussage ab: Arme bleiben nicht arm, wie sie behauptet, sondern sie werden zunehmend ärmer. Die Reichen bleiben nicht reich, sondern sie werden immer reicher. Man kann den Moderationstext, den diese Frau hier serviert, einfach nur dumm und oberflächlich nennen, weil ihr sprachliche Kompetenz abgeht, man kann ihn aber auch als eine manipulative Schönrednerei der Verhältnisse betrachten.

Selbst das ehemalige Nachrichtenmagazin SPIEGEL spielt dichter am Ball:

Regierung warnt vor Spaltung der Gesellschaft“ heißt es bei SPON. Quelle: »http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/armuts-und-reichtumsbericht-regierung-warnt-vor-spaltung-der-gesellschaft-a-1140179.html

Und das vorgebliche Intelligenzblatt der konservativen Bourgeoisie, die FAZ, spricht immerhin gleich im Vorspann die Knackpunkte des A-R-Berichts an:

Nehmen Wohlhabende besonderen Einfluss auf politische Entscheidungen? Fühlen Geringverdiener sich nicht vertreten? Erkenntnisse dazu hat die Bundesregierung lieber nur entschärft veröffentlicht. [...]“ Quelle: »http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/armuts-und-reichtumsbericht-diese-aussagen-waren-der-regierung-wohl-zu-heikel-14575147.html

Was demgegenüber Miosga in die Kamera labert, wirkt einschläfernd. Absicht oder Unfähigkeit – das ist hier die Frage. In den Programmvorgaben des Staatsvertrags gibt es allerdings in keinem Fall mildernde Umstände, die einer TT-Moderatorin wegen so eines Textes zugute zu halten wären.

Mit freundlichen Grüßen
»Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

  • Grafik: mit freundlicher Genehmigung © www.egonkramer.de

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