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Betreff: Programmbeschwerde: "Hacker-Angriffe auf die USA"
Datum: 03. Januar 2017 um 13:20:43 MESZ
An: "NDR RR VWR" gremienbuero@ndr.de, l.marmor@ndr.de

Programmbeschwerde: AgitProp in der Tagesschau: "Hacker-Angriffe auf die USA" (II)

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte Damen und Herren des Rundfunkrates, sehr geehrter Herr Intendant,

wir haben es geahnt: In unserer Programmbeschwerde unter gleichem Titel über die 20-Uhr-Tagesschau am 30.12. 16 hatten wir im Postskriptum auf die neue Chance der ARD-aktuell („US-Energieversorger angegriffen“) hingewiesen, weiter unseriös die aktuelle Internet-Hacking-Hysterie wegen angeblicher russischer Cyberangriffe zu befeuern. Die Redaktion nutzte die Gelegenheit prompt mit Abdruck eines scheinsachlichen Beitrags des Hörfunk-Korrespondenten Rolf Büllmann (ARD Studio Washington) auf tagesschau.de. Titel:

Hacker-Attacke auf US-Stromversorger

Der Artikel enthält Sätze wie diese:

„...Auf dem Firmenlaptop eines Stromversorgers wurde ein Schadprogramm gefunden, das die US-Behörden der angeblich russischen Grizzly-Steppe-Attacke zuordnen.... Im Netzwerk eines US-Stromversorgers ist ein Schadprogramm entdeckt worden, das die USA der mutmaßlichen russischen Hackeroperation zuordnen.... Grizzly Steppe ist der Name, den die US-Sicherheitsbehörden einem großangelegten Hackerangriff - unter anderem auf die demokratische Partei – gaben, der ihrer Einschätzung nach von Russland ausgegangen ist. ....Vermonts Gouverneur Peter Shumlin forderte eine grundlegende Untersuchung des Vorfalls. Die "Washington Post" berichtet, in Regierungskreisen frage man sich, ob das ein Testlauf war oder die Vorstufe zu einem größeren Angriff. Russland hat die Hacking-Vorwürfe stets zurückgewiesen.“

Das führt den Leser trotz des scheinsachlichen Schlusssatzes in die Irre, und zwar infolge Weglassung entscheidender Fakten:

  1. Die Schadware ist ein im Internet jedermann zugängliches, veraltetes Hacker-Programm aus der Ukraine, nicht aus Russland.
  2. Jeder halbwegs kundige Nerd kann damit Unfug treiben, auch US-amerikanische Amateure können es.
  3. Der US-„Heimatschutz“ und das FBI verfügen über umfangreiche Programme zur Entdeckung und Abwehr nicht nur der „Grizzly Steppe“-Schadware und haben sie auch an alle staatlichen und kommerziellen Adressaten vermittelt, die angegriffen werden könnten. Keiner der US-Geheimdienste hat irgendwelche Spuren oder gar Beweise dafür, dass russische Hacker hinter dem recht tölpelhaften "Angriff" auf das Wahlkampfkomitee der Clinton-Partei stecken.
  4. Fachleute gehen davon aus, dass Cyber-Angriffe Russlands mit weit modernerer und wirksamerer Schadware vorgenommen würden als mit veraltetem ukrainischem Schrott.
  5. Die Fachwelt ist längst überzeugt, dass ein Patt im Kalten Internet-Krieg herrscht und deswegen keine Seite „echte“ Angriffe führt.
  6. Die US-Geheimdienste, voran die CIA, haben propagandistische Beweggründe und Ziele: Sie protegieren damit die (tendenziell polizeistaatliche) Innenpolitik sowohl im eigenen Land wie bei ihren Verbündeten, voran Deutschland. Hier verdrängen sie damit zudem die Erinnerung an die kriminellen US-Schnüffelangriffe auf deutsche Institutionen und Personen (NSA-Skandal) aus dem kollektiven Bewusstsein.

Quellen u.a.:
»https://theintercept.com/2016/12/31/russia-hysteria-infects-washpost-again-false-story-about-hacking-u-s-electric-grid/
»https://southfront.org/russian-hackers-penetrate-us-power-grid-with-outdated-ukrainian-malware/
»http://antikrieg.com/aktuell/2017_01_01_erlogener.htm
»https://theintercept.com/2016/12/31/russia-hysteria-infects-washpost-again-false-story-about-hacking-u-s-electric-grid/

Schön saftig bringt die Seite Zerohedge die Geschichte auf den Punkt, und deshalb zitieren wir hier auszugsweise (unsere Übersetzung jeweils im Anschluss):

Ooh, sounds menacing right? By the looks of it, the Russians were quickly working their vodka driven ways towards shutting down all of our lights, Christmas tree included. The only problem with this narrative is that it's a complete fabrication. Quelle: »http://www.zerohedge.com/news/2016-12-31/washington-post-published-fake-news-story-about-vermont-utility-getting-hacked-russi

Sinngemäß: Ooh, das klingt aber bedrohlich, gell? Das vermittelt den Eindruck, die wodka-seligen Russen seien auf die Schnelle dabei, uns alle Lichter auszumachen, die der Weihnachtsbäume inklusive. Das einzige Problem mit dieser Story: Sie ist vollständig frei erfunden.

... a single laptop, not connected to the grid whatsoever, had malware on it -- likely from purveying porn sites, and Washpo published an alarmist story suggesting the entire grid was at risk of becoming the bitch to malicious Russian hackers.... Quelle: ebd.

... ein einziger Laptop, der nicht mit dem Netz verbunden war, hatte Malware drauf - wahrscheinlich aufgrund des Besuchs von Porno-Seiten, und die Washington Post unterstellt mit einer alarmierenden Geschichte, das Versorgungssystem sei In Gefahr gewesen, von bösartigen russischen Hackern verhurt zu werden. ...

Wir haben mit dem Bericht auf Tagesschau.de ein weiteres Beispiel für billige Trickserei der Geheimdienste in Kooperation mit FAKE NEWS-Medien wie der Washington Post und ARD-aktuell vor uns.

Mit freundlichen Grüßen
Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

  • Grafik: mit freundlicher Genehmigung © www.egonkramer.de

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