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Im Folgenden veröffentlicht 0815-Info einen Offenen Brief des Landesverbandes NRW des Deutschen Freidenkerverbandes. Der Brief macht betroffen. Wenn man allerdings, so wie ich, aktiv für die Partei DIE LINKE. Straßenwahlkampf gemacht hat, ist man nicht betroffen, sondern regelrecht wütend.

 


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Lederer vs. Jepsen
von Tilo Schönberg

Man mag zu Ken Jepsen stehen, wie man will. Fakt ist, das er mit KenFM ausgewiesenen Kennern und Experten eine Plattform bietet, die unsere neoliberalen Einheiz-Medien nicht mal im Ansatz zur Verfügung stellen. Seine Talk-Reihe „»Positionen – Politik verstehen“, z. Bsp., ist ein absolutes Highlight und wird zigtausend-fach auf YouTube abgerufen. Wann haben Sie zuletzt, gebannt, einen fast drei Stunden dauernden, Polit-Talk verfolgt? Bei KenFM ist das der Standard!

U.a. dafür soll Ken Jepsen jetzt, im Berliner Kino „Babylon“ den Karls-Preis (benannt nach Karl Marx!) erhalten. Aber da kommt Klaus Lederer (PdL.), der Kultur-Senator von Berlin, wie „Kai aus der Kiste“ gesprungen und schreit Zeter & Mordio: „Verschwörungsgläubiger!“, „Aluhut!“, „Israel-Hasser“… die volle Breitseite! Auf Nachfrage des Berliner »Tagesspiegel verweist sein Büro auf entsprechende Äußerungen des Senators auf »Facebook, womit der Fall KenFM offiziell zum Politikum wird! Die Partei DIE LINKE. gegen Ken Jepsen?

Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden»Rosa Luxemburg

Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen»Voltaire

Nicht mit der Partei DIE LINKE.!

Während halb Deutschland nach einer politischen Alternative zu Merkel sucht, kommt die Partei Die Linke. mit der Personalie Klaus Lederer um die Ecke...

Offener Brief an den Berliner Kultursenator Lederer

Guten Tag Herr Lederer,

In Ihrer Funktion als Berliner Kultursenator haben Sie in Bezug auf den Journalisten Ken Jebsen, dem in diesem Jahr der Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik verliehen wird, am 13. November 2017 per Twitter verbreitet:

(Der Preisträger sei) „durch offen abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten …

Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet. Vom Geschäftsführer des Kinos Babylon würde ich mir angesichts dessen die Courage wünschen, zu sagen: Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung.

Diesen Twitter-Ausschnitt habe ich der Ausgabe Nr. 153 des Ça ira, herausgegeben von Diether Dehm, Wolfgang Gehrcke und Christiane Reymann, entnommen.

Am 13. November stornierten die Betreiber des Babylon die geplante Veranstaltung zur Preisverleihung wegen nicht näher definierter ‚Sicherheitsbedenken‘.

Und nun zuerst meine Frage an Sie, Herr Lederer. Ist die zitierte Twitter-Äusserung tatsächlich von Ihnen?. Wenn nein, dann ist es sicherlich in Ihrem Interesse, dies öffentlich zu dementieren.

Wenn ja, dann werden nicht nur einige Wähler der Partei, für die sie das Amt des Kultursenates ausüben, ein Problem mit Ihnen haben. Denn Sie fällen hier Urteile über einen Journalisten, ohne Belege anzuführen. Wir vermuten, dass Sie hier das Vokabular der sogenannten ‚Antideutschen‘ ungeprüft übernommen haben. Ein Besuch auf der Seite des von Ihnen beschimpften Jounalisten ist da vielleicht hilfreich: »https://kenfm.de/

Und vor allem: dieses Medienportal bietet allen Interessierten die Möglichkeit, sachlich und auf gleicher Augenhöhe miteinander zu diskutieren. Diese Form des öffentlichen Diskurses wird auch und insbesondere von einer Partei erwartet, die sich auf Rosa Luxemburg beruft.

Und nun zur spannenden Frage: warum haben die Betreiber des Babylon die geplante Preisverleihung abgesagt?. Es ist bekannt, dass die Einrichtung ohne die Zuwendungen des Kultursenates nicht lebensfähig wäre. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrer Twitter-Meldung und der Stornierung? Wenn ja, so sollten Sie Ihre Arbeit als Kultursenator überdenken. Sie verbreiten per Twitter Werturteile im Boulevard-Stil und Sie üben mittels Ihres Amtes Druck auf eine Kultureinrichtung aus, um Ihnen nicht genehme Veranstaltungen zu verhindern. Diese Haltung kann Machtmissbrauch genannt werden, zumindest aber verletzt Sie eine Ihrer elementaren Aufgaben: die Sicherung der Meinungsfreiheit.

Stattdessen folgen Sie augenscheinlich dem allgemeinen Trend, engagierte Berichterstattung aus dem öffentlichen Diskurs mittels leichtfertig gefällter Urteile auszublenden.

Der Bundesverband des Deutschen Freidenker-Verbandes sowie explizit die Landesverbände Berlin und NRW unterstützen die Verleihung des Karls-Preises an den Journalisten Ken Jebsen.

Sollten die oben dargestellten Äußerungen Ihrerseits der Wahrheit entsprechen, dann fordert Sie der Landesverband NRW auf, als Kultursenator Ihren Versuch der Zensur zurückzunehmen, so dass die Preisverleihung am 14. Dezember 2017 im Babylon stattfinden kann.

Brigitte Streicher
Vorsitzende des Landesverbandes NRW des Deutschen Freidenkerverbandes

Um sich ein etwas genaueres Bild über den Senator für Kultur und Europa zu machen, empfehle ich einen Besuch seines Twitter-Accounts (»https://twitter.com/klauslederer):

© Tilo Schönberg