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Seine Asienreise-Station in Seoul am Dienstag 07.11. hat bei US-Präsident Trump eine bemerkenswerte Wende offengelegt, die zur Entspannung der Atomkrise mit Nordkorea führen kann.

 


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US-First Lady in Tokio: Frieden in japanischer Kalligrafie geschrieben
von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Schon im Vordergrund der Gespräche beider Präsidenten, Donald Trump und Moon Jae-in, stand der Frieden für ganz Korea, für den die koreanische Bevölkerung engagiert demonstrierte. Sie lehnt jede militärische Provokation der USA ab. Diese eindeutige Botschaft war von der US-Delegation in Seoul nicht zu überhören.

Militärische Gewaltanwendung im politischen Bereich muss definitiv abgeschafft werden. Der US-Präsident hat aber die Kurve gekriegt und zeigte sich offen für Verhandlungen mit Nordkorea, d.h. er lässt Raum für eine Außenpolitik gegenüber Pjöngjang. Seine militärische Rhetorik ist dagegen völlig kontraproduktiv und fehl am Platz. Der Präsident Südkoreas hat ihn auch zu dieser notwendigen Wende beeinflusst. Beide koreanische Staaten gehören zusammen, es ist dasselbe Volk, das in Frieden leben will und jeden Aggressor zurückweist.

Alle US-Militärmanöver vor der Küste Nordkoreas haben deshalb aufzuhören. Südkorea ist gemahnt, diese gemeinsamen unsinnigen Militärübungen mit den USA zu stoppen. Als ständige Provokation für Nordkorea sind sie völlig kontraproduktiv, um das erwünschte Entspannungsklima unter beiden Länder anzustreben. Die südkoreanische Bevölkerung steht gegen solche Manöver. Sie hat den Amerikaner nach Hause gewünscht und ihn nicht willkommen geheißen.

Seit April 2009 sind die Sechsergespräche über Korea unterbrochen, und zwar Gespräche zwischen Russland, China, den USA, Japan und beiden koreanischen Staaten. Nordkorea wurde vom Westen (USA/EU) als Paria-Staat behandelt, isoliert und unter unmenschliche Sanktionen gesetzt.

Die US-Regierung hat niemals erkannt, wie barbarisch, grausam und menschenfeindlich sie sich im Korea-Krieg (1950-1953) verhielt. Eine nach der anderen, ließ jede US-Regierung die US-Militärpolitik schalten und walten, anstatt sie zu mäßigen und eine vernünftige Außenpolitik zu betreiben.

Die Trump-Regierung fühlt sich irritiert von Atom-Tests, die Nordkorea durchführt. Sie muss sich fragen lassen, wie irritiert andere Länder von den unzähligen US-Atomtests sind, die ohne Rücksicht auf irgend eine Regierung seit Jahrzehnten immer wieder praktiziert werden und großen Schäden und Belastungen für den Mensch und für die Umwelt verursachen.

Nordkorea hat, zusammengezählt, gerade einmal sechs Atom-Tests durchgeführt, während die USA dagegen mit 1.033 Atomexplosionen als Test an der Spitze liegen. Haben sich einmal europäische Regierungen, die anderen Regierungen der Welt, ja die Weltstaatengemeinschaft gegen diese ungeheuerliche Bedrohung erhoben und Washington zum Einstellen der Atombombentests ermahnt? Keine der Atomversuche der nuklearen Staaten hat den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen veranlasst, sie zu verurteilen und scharfe Sanktionen gegen sie zu verabschieden. Die Weltöffentlichkeit muss sich die Frage stellen: Wie gebietet man der ungeheuerlichen US-Militärpolitik Einhalt? Wie bringt man sie dazu, im Rahmen des zivilisierten internationalen Gesetzes auf gleichberechtigter Basis zu handeln?

Das öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen verpasst die Chance, zur Entspannung und Aufklärung der Atom-Krise mit Nordkorea beizutragen, indem es keine Sondersendung zum Thema anbietet, wo die richtigen Fragen gegenüber der falschen US-Außenpolitik klargestellt werden sollten. Diese Fragen sind vollkommen berechtigt - vor allem nach dem Horror von Hiroshima, Nagasaki, nach dem Korea- und Vietnam-Krieg, diese horrende Verwüstung und Vernichtung, die die USA zu verantworten haben. Sie sind gebrandmarkt als die einzige Macht, die den Erstschlag mit Atombomben und mit Chemiewaffen ausführte. Nordkorea hat kein Land attackiert. Die Atomwaffen Nordkoreas dienen zur Abschreckung nach den wiederholten Aggressionen der USA gegen nicht atomar bewaffnete Staaten.

Verschärfte internationale Strafmaßnahmen gegen Nordkorea anzustreben, ist eine irrsinnige, törichte Haltung, die die historisch tradierte US-Feindseligkeit gegenüber Pjöngjang enthüllt und gar nichts zur Entspannung und zum Frieden beiträgt.

Die Frage, in wieweit das Schicksal Indochinas das Weltgeschehen beeinflusst hat, ist von Washington nicht beantwortet worden, weil sich das Weiße Haus damit nicht ehrlich und sachlich befassen will.

Die USA haben die erste spektakuläre Niederlage ihrer Geschichte in Vietnam erlitten. Psychologisch hat sich die „Superpower“ von dieser Demütigung bis heute nicht erholt, vielmehr ist dieser Koloss, dessen Potential und technologischer Vorsprung zur Stunde noch unerreicht sind, seitdem von einem militärischen Fehlschlag zum anderen gestolpert. („»Der Tod im Reisfeld – Dreißig Jahre Krieg in Indochina“ von Peter Scholl-Latour, Ullstein Verlag, 6. Auflage 2016)

Die ehemaligen Kolonialmächte – Frankreich und Großbritannien – schweigen über die erwünschte Entspannung der Atom-Krise. Nach ihrem Schlamassel im Nahen Osten stehen sie abseits der Ereignisse, ohne vernünftige zuverlässige Außenpolitik und völlig unglaubwürdig vor den betroffenen Völkern.

Schon jetzt steht in Seoul die südkoreanische und US-amerikanische Diplomatie im Vordergrund. Mit anderen Worten ist das Primat der Politik wiederhergestellt. Die US-Außenminister der beiden Länder USA und Südkorea haben sich auch persönlich getroffen und verständigt. Neue Töne waren zu vernehmen, die selbstverständlich zu begrüßen sind. Wo bleiben unterstützende Erklärungen des deutschen Außenministers und der EU-Spitze? Aus dieser Ecke ist bisher kein Anzeichen für Entspannung der US-Nordkorea-Krise zu vernehmen. Am Mittwoch 08.11. werden der Präsident Chinas, Xi Jinping, und der Präsident Russlands, Wladimir Putin, weiter dafür sorgen, dass US-Präsident Donald Trump bei Vernunft bleibt und den Frieden in Fernost erhält und nicht weiter stört. Nicht umsonst hat seine Frau Melanie in Tokio am 05.11. gelernt, das Wort Frieden in japanischer Kalligrafie zu schreiben.

© Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Quellenangaben:

© Grafik: mit freundlicher Genehmigung Klaus Stuttmann

Foto: Tlaxcala*Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait ist eine chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Studium der Rechtswissenschaften an der Katholischen Universität in Santiago de Chile mit Spezialisierung auf das Völkerrecht und Praxis im Strafrecht. Nach ihrer Arbeit im Außenministerium war sie Diplomatin in Washington D.C., Wien und Jerusalem und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen.

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